Niedersächsischer
Schachverband
Gefördert durch:
Die Deutsche Damen Mannschaftsmeisterschaft in Halle (von Reiner Gniffke)
Montag, 18. April 2005 von Archiv

Es ist der 14. April. Um 11.00 Uhr ist Hannover für die niedersächsischen Spitzenspielerinnen der Nabel der Welt. Dort ist Treffpunkt. Ich fahre mit Olesja Taranjuk, Helene Romakin und Jasmin Laake. Das Hauptproblem war aus Hannover hinaus zu kommen. Danach ging alles sehr schnell – zumindest für die Ladys, denn die haben 90 % der Fahrt geschlafen.

In dem anderen Auto sitzen Sarah Hoolt, Yvonne Lösch und die Fahrerin Claudia Markgraf. Marine Zschischang fährt mit Familie und Barbara Michalek mit der Eisenbahn.

Wie ein Jahr zuvor die Auslosung im Ramada Hotel in Halle Peißen beschert uns mit NRW den Mitfavoriten des Turniers. Die Niederlage von Claudia Markgraf an Brett 2 habe ich gar nicht mitbekommen. Marine Zschischang geriet schon früh unter Druck. Irgendwann hielt sie ihn nicht mehr aus. Zwischen beiden Niederlagen wurden zwei Remisen eingestreut. Barbara Michalek und Sarah Hoolt steuerten zusammen einen Punkt zum Ergebnis bei und Jasmin musste erfahren, dass auch am siebenten Brett Schach gespielt wird. Sie startet mit einer 0.

Jetzt waren wir am Zug. Olesja gewann sehr stark indem sie einen entfernten Randbauern durchdrücken konnte. Yvonne Lösch spielte mit einer Minusfigur gegen drei verbundene Flügelbauern. Lange sah es nach einem Sieg aus. Als sie sich dann letztlich doch auf Remis einigen konnte, gab die Gegnerin von Helene sofort auf.

3,5 : 4,5 und sogar etwas unglücklich. Das kann sich sehen lassen gegen diesen Gegner. Morgen werden zwei Spiele anfallen. Für den vormittag gilt: "Hurra die Hesse komme ".

Der zweite Tag: Gegenüber den beiden Meisterschaften, die ich bisher betreut habe, hat sich ein wenig verändert. Die Kuscheltiere sind weniger geworden. Die russische Sprache ist nicht mehr so präsent, es kann aber auch sein, dass ich mich inzwischen daran gewöhnt habe und die Anzahl der freien Hüften nimmt zu. Doch nun zum Spiel.

Jetzt, gegen Hessen, sind wir in leichter Favoritenposition, jedenfalls was die Zahlen angeht. Relativ schnell gehen wir durch Siege von Sarah, Barbara und Olesja, sowie einem Unentschieden von Marine bei einem Osterei von Claudia mit 3,5 in Führung. Dann kommen die beiden gegensätzlichen Partien. Während Helene sich von klarer strategischer Ausrichtung zu einem Sieg über Absichern des Remis
zum Verlust arbeitet, ist die Situation bei Jasmin am Anfang katastrophal, dann kommt das Herauslavieren und dann die taktische Meisterleistung zum Sieg. Yvonne hat`s gerne schwer und kämpft sich über den Materialverlust schon nach wenigen Zügen zum Remis nach vier Stunden. 5:3 also das Endergebnis.

Während der Mittagspause laufen wir, mit Ausnahme der fahrenden Familie Zschischang, die fährt mit den Kindern, zum Halle Verkaufscenter. Wir hatten Frauen dabei, die sind im letzten halben Jahr nicht so viel gelaufen wie an diesem Tag.

Die Tabelle lautet vor der dritten Runde durch den überraschenden Sieg von Sachsen-Anhalt II gegen Bayern: 1. Sachsen Anhalt II 2. Berlin 3. Nordrhein-Westfalen. Der Tabellenführer muss nun gegen den Dritten Farbe bekennen.

Unser nächster Gegner heißt Rheinland-Pfalz. Es beginnt mit einem geschenkten Punkt am ersten Brett. Alles geht sehr zäh voran. Nach drei Stunden heißt es durch die Niederlage von Claudia 1:1. Aber dann beginnt die Punktemaschine lauter Einsen auszuwerfen. Das Ergebnis von 7:1 am Schluss des Wettkampfes macht Lust auf mehr. Unsere neue Position in der Tabelle ist der vierte Rang und mit Hamburg bekommen wir einen schlagbaren Gegner für die vierte Runde zugelost.

Der dritte Tag: Das wichtigste des Spieltages zu allererst. Olesja verliert ihren ersten halben Punkt. Das allerwichtigste – Claudia gewinnt ihren ersten Punkt. Yvonne quält sich mit einer Minusqualität zum Remis und alle anderen fahren einen vollen Punkt ein. Mein Blick auf die Tabelle lässt mich
sofort wieder in eine andere Richtung schauen, um mich, nachdem ich mich der Wirklichkeit versichert habe, genüßlich wieder der Tabelle zuzuwenden. Wir finden uns auf dem zweiten Tabellenplatz wieder. Die Chance auf Treppchen zu kommen, ist da. Wir spielen vor der letzten Runde im Konzert der großen Bundesländer mit. Wieder haben wir ein wenig Losglück. Sachsen-Anhalt wäre Höchststrafe gewesen. Thüringen ist angenehmer.

Zur Belohnung suchen wir jetzt Halle heim. Das wichtigste des nachmittags ist das Versprechen von Helene und Sarah, dass bei unserem nächsten gemeinsamen Turnier, bei dem ich eine Rede halten muss, von ihnen die Rede geschrieben wird. Das haben wir uns in der Skyline, einem Restaurant hoch oben auf einem Wolkenkratzer, von dem man auf Halle schauen kann, ausgedacht. Das Buffet danach, wieder im Hotel, war Spitzenklasse.

Je später übrigens der Tag forschreitet, desto unheimlicher wird der Gedanke, dass da irgend etwas Großes passieren könnte. Aber das wird ziemlich schnell wieder weggedrängt. Es fällt zwar die ein oder andere flapsige Bemerkung über den Gesamtsieg, aber es müssen zu viele Dinge passen. Allerdings die Chance ist da und die Mädels setzen sich in dieser Nacht mit den Herren Gläser und Papa
Zschischang an den Computer und bereiten sich das erste mal vor.

Der vierte Tag: Das Spiel beginnt um 9.00 Uhr. Barbara ist nervös – herrlich. Festen Schrittes gehen die Damen an ihre Bretter. Die zweite Tischreihe ist für uns reserviert. An der ersten spielen Sachsen-Anhalt I – Baden und an der dritten NRW gegen Berlin. Alle drei Begegnungen können Auswirkungen auf die Platzierungen des Treppchens haben. Baden beginnt stark – gut für uns. NRW zieht davon – unwichtig zur Zeit. Drei Stunden sind vorbei. Die Gegnerin von Jasmin sieht ihr Heil nur noch in einem unkorrekten Opfer, Jasmin widerlegt, wir führen. Olesja wird Remis angeboten. Helene und Yvonne stehen gut, der Betreuer nickt zufrieden. Am Tisch eins tut sich noch nicht viel. Irre, Helene gewinnt, Claudia remisiert nach großem Kampf, wir führen 3:1. Am Tisch eins holt Sachsen Anhalt auf, der zweite Platz ist ja auch schön.

Präzise wie ein Uhrwerk zeigt Sarah ihrer Gegnerin die Stellungsschwächen auf. Wir führen 4:1. Marine hat ein Remisangebot ausgesprochen. Die Gegnerin schaut hilflos zu ihrer Mannschaftsführerin, die ihr deutlich macht, das Niedersachsen 4:1 führt, sie entschließt sich zu einem Opfer. Noch kann alles passieren.
Die Stellung von Yvonne verschlechtert sich. Was passiert denn da an Barbaras Brett ? Die Thüringerin entfernt einen Turm auf der selben Reihe vom König und vergisst , dass von der anderen Seite Schach geboten werden kann. Wir führen 5:1. Jetzt hat sich Marine in die Stellung hineingebissen, kann 23 Gefahren abwehren
und eine entscheidende selbst schaffen. Wir führen 6:1. Das zweite Pünktchen für die Thüringer wird ihnen, auch von Yvonne gegönnt.

Der Betreuer begibt sich zum ersten Tisch, studiert dort das Ergebnisblatt und hört in diesem Augenblick einen
Aufschrei der Freude

Niedersachsen ist Deutscher Damen Mannschaftsmeister 2005

Die tollen Tage enden wie sie angefangen haben. Drei Ladys verschlafen 90 % der Fahrtzeit.

Reiner Gniffke, Ref. für Damenschach im NSV

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