Einladungsturnier
Auf dieser Seite finden Sie alle NSV-Artikel rund um das NSV-Einladungsturnier zum 100-jährigen Bestehen.
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In der neusten Ausgabe von Schach (1/2025) befindet sich ein längerer, lesenswerter Artikel über das Niedersachsen Masters, dem Einladungsturnier in Wolfsburg im Rahmen des „100-Jahre-NSV“-Jubiläums im vergangenen September. Autor und Chefredakteur, IM Jonny Carlstedt, hat uns den Artikel freundlicherweise als Leseprobe zur Verfügung gestellt. Das darin erwähnte Interview mit Turniersieger GM Baklan befindet sich auf der Webseite der Zeitschrift Schach.

Die Zeitschrift Schach wird inzwischen von den Chess Tigers weitergeführt. Übrigens kann man die Schach erst einmal als Probeabo austesten.
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Im November fanden mit dem Jubiläums-Grandprix und dem Einladungsturnier „Niedersachsen Masters“ zwei tolle Turniere statt. Henning Lüders hat diese mit seiner Kamera eingefangen und die Fotos mit uns geteilt: Fotos auf AmazonPhotos (Quelle: Henning Lüders)

Übrigens gehen die Jubiläumsaktionen noch weiter. Anmelden kann man sich noch für folgende Turniere in Braunschweig:
📅 06.12. Niedersächsische Bulletmeisterschaft
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Eine Niederlage von Vladimir Baklan würde den Verfolgern die Chance eröffnen, den souveränen Tabellenführer auf den letzten Metern doch noch abzufangen. Yuryi Kuzubovs Interesse, Baklan zu stoppen und selbst das Turnier zu gewinnen, war zur achten und vorletzten Runde nicht allzu ausgeprägt. Nach 12 Zügen in einer theoretischen Stellung der Berliner Verteidigung bot Kuzubov remis an, Baklan akzeptierte.


Baklan führt jetzt mit 6 Punkten aus 8 Partien das Feld an. Erster Verfolger mit 5,5 Punkten ist Georg Meier, der am zweiten Brett gegen Elshan Moradiabadi eine klassische Georg-Meier-Partie gewann. Mit den weißen Steinen erarbeitete sich Meier ein vorteilhaftes Doppelturmendspiel. Seine bessere Struktur und die aktiveren Türme gaben ihm anhaltenden Druck, unter dem Moradiabadi schließlich kollabierte.

Torben Knüdel und Peter Prohaszka hätten mit einem Sieg in ihrem Duell am dritten Brett ebenfalls auf 6 Punkte kommen können. Aber die beiden einigten sich auf remis, als abzusehen war, dass die Partie zu einem ein beiderseits wenig ergiebigen Endspiel verflachen würde. Für Knüdel ist der halbe Punkt, zumal gegen einen Großmeister aus einer anderen Föderation, wertvoll.

Der NSV-Kaderspieler und –Leistungssportreferent hat seine IM-Norm so gut wie geschafft. In der letzten Runde steht er allerdings vor der höchsten Hürde, die das Niedersachsen Masters zu bieten hat. Knüdel wird am ersten Brett mit den schwarzen Steinen auf Tabellenführer Baklan treffen.

Am vierten Brett zwischen Zahar Efimenko und Sebastian Poltorak ging es nicht mehr um den Turniersieg, aber für Poltorak ebenfalls um eine IM-Norm. Der polnische FM war drauf und dran, den U14-Weltmeister von 1999 mit den schwarzen Steinen zu überspielen. Efimenko rettete sich in ein Endspiel mit einer Minusfigur, die seine zwei Mehrbauern kaum kompensierten. Aber mit jedem Bauerntausch kam der erfahrene Großmeister dem Remis näher. Schließlich stand Turm plus Springer versus Turm auf dem Brett – remis.

Andrey Sumets wünscht sich wahrscheinlich, dass das Turnier noch etwas dauert. Mit bescheidenen 1,5/5 gestartet, ist der ukrainische Großmeister zuletzt zu großer Form aufgelaufen. Auch sein dritter Sieg in Folge über Felix Hampel war sehenswert. Mit 4,5/8 steht Sumets, ursprünglich Mitfavorit, jetzt erstmals über 50 Prozent.
Zwei Runden vor Schluss ist Vladimir Baklan noch nicht durch, aber kurz davor. Seine Siebtrundenprüfung, Schwarz gegen Georg Meier, hat der ukrainische Großmeister überstanden, ohne sich strecken zu müssen. Dank des Remis gegen Meier bewahrt Baklan mit 5,5 Zählern seinen Vorsprung von einem Punkt vor einer fünfköpfigen Verfolgergruppe.


Will einer der Verfolger Baklan den Turniersieg entreißen, muss es jemand schaffen, den Tabellenprimus zu besiegen. In der achten Runde wird es Mitfavorit Yuryi Kuzubov versuchen. Der war mit einer Niederlage ins Turnier gestartet. Zur achten Runde hat sich Kuzubov zurück ans erste Brett gekämpft. Dort trifft er im ukrainischen Duell mit den schwarzen Steinen auf Baklan.
In der siebten Runde hatte Kuzubov mit Schwarz gegen NSV-Kaderspieler Felix Hampel leichtes Spiel. Schon in der Eröffnung erwischte er den Lokalmatador auf dem falschen Fuß (siehe Diagramm unten). Hampel musste die Partie mit einem Bauern weniger und noch dazu einer kaum koordinierten und entwickelten Stellung bestreiten. Er versuchte, Widerstand zu organisieren, vergebens.

Mit Torben Knüdel hat sich dank eines Siebtrundensiegs über Sarah Papp ein NSV-Kaderspieler ins Quintett der Verfolger gekämpft. Damit hat Knüdel (Eloperformance 2489) gute Aussichten auf eine IM-Norm. “Wie Weihnachten heute”, schwärmte der NSV-Referent für Leistungssport, als ihm die Auslosung für die achte Runde die zweite Weißpartie des Tages bescherte – allerdings gegen einen veritablen Widersacher. Knüdel trifft am dritten Brett auf den ungarischen Großmeister Peter Prohaszka.

Prohaszka versuchte in der siebten Runde mit Weiß gegen Anthony Petkidis sein Möglichstes, um den Abstand auf Baklan zu verkürzen. Zwischenzeitlich sah es dank eines auf d6 eingepflanzten Oktopus-Springers gut aus, aber im Endspiel war Prohaszka nahe daran, die Partie zu überziehen und sogar zu verlieren.

Für den Zug des Tages zeichnet der Ukrainer Andrey Sumets verantwortlich. Nach bescheidenem Start wird Sumets nicht mehr ganz oben eingreifen, ist aber mit dem zweiten Sieg in Folge in Fahrt gekommen. Im Großmeisterduell gegen Rainer Polzin machte Sumets sehenswert den Sack zu.
Momente der 7. Runde:





Vladimir Baklan hat seine Führung im Niedersachsen Masters ausgebaut. Nach einem Sieg über Robert Ris steht der ukrainische Großmeister mit 5 Punkten aus 6 Partien einen Zähler vor der Konkurrenz. Verfolger Peter Prohaszka begnügte sich am zweiten Brett mit einem schnellen Schwarzremis gegen Zahar Efimenko. Zweiter Verfolger ist jetzt Georg Meier, der Sebastian Poltorak besiegte. Prohaszka und Meier stehen jeweils bei 4 Punkten. In der siebten Runde hat Meier im direkten Duell gegen Baklan die Chance, den Tabellenführer einzuholen.
Meier wird, wie immer, “so gut spielen, wie ich kann”, und dann sehen, wofür das reicht. Beobachter in Wolfsburg erleben den ehemaligen Europameister gelassen, auch wenn er aus seinen Partien nicht immer das Maximum herausholt. Vor ein paar Jahren, als Profi, hätte Meier in den zwei Remispartien gegen Youngster nicht jeweils einen halben Punkt liegengelassen. “Aber jetzt bin ich halt Amateur”, sagt der 2600-Großmeister lächelnd.

Auf d3 eine Qualität geopfert, dann mit …d4 die lange Diagonale geöffnet (und den Ta2 angegriffen), dann positionelle Dominanz bis zum Partiegewinn.
Ein Amateur, der seinen Sport liebt wie eh und je. Meier hätte es gar nicht schlimm gefunden, auch am Dienstag noch eine Doppelrunde zu spielen. Nach seinem 130-Züger vom Vorabend fühlte er sich im Turnierrhythmus angekommen, ein Rhythmus, den, wie Schiedsrichter Matthias Dämmig augenzwinkernd feststellte, “subversive Elemente” in Team und Teilnehmern durcheinanderbringen wollten. Das Ansinnen dieser Elemente (darunter der Schreiber dieser Zeilen): den Beginn der morgendlichen Dienstagsrunde kurzfristig um eine Stunde nach hinten verschieben. Es hatte keine Chance auf Erfolg.

David Riemay (links) räumte seinen Streamingstuhl, damit Torben Knüdel (M.) und Christian Polster ihre Partie zeigen konnten. | Foto: Conrad Schormann
Wer erwartete, dass die Mehrzahl der zwölf Partien am Tag ohne Doppelrunde schnell endet, sah das Gegenteil. Außer bei Efimenko-Prohaszka und Schulze-Abel wurde hart gekämpft, neun der zwölf Partien hatten einen Sieger. “Die beste Runde bislang” sahen NSV-Leistungssportreferent Torben Knüdel und Streamer David “Schachpanda” Riemay, der in seinem Schachstudio zahlreiche elostarke Besucher empfing, die dem Publikum ihre Partien und die der Konkurrenz erläuterten. “Heute haben die Schachmeister fast Schlange gestanden”, freute sich Riemay.
Unter denen, die an den Brettern kämpften, befand sich einer, dessen Anwesenheit nicht unbedingt zu erwarten gewesen war. Elshan Moradiabadi, ohnehin vom Jetlag geplagt, hatte sich am Vortag eine arge Erkältung eingefangen. Aber die Zufuhr von Schlaf und spontan besorgten Medikamenten versetzten den US-Großmeister über Nacht in einen spielfähigen Zustand. Mit Mütze und Mantel extrawarm gekleidet, widerstand Moradiabadi allen Versuchen Yuryi Kuzubovs, seinem angeschlagenen Gegner einen Punkt abzuluchsen. Am Ende musste Kuzubov ein Dauerschach forcieren.
Die Partien befanden sich noch im Übergang von der Eröffnung zum Mittelspiel, da formierte Riemay schon das “Team Zeitnot”. Dessen Mitglieder Rainer Polzin, Christian Polster und Giorgi Giorgadze hatten früh derart ausgiebig grübeln müssen, dass ihnen für 20 und mehr Züge bis zur Zeitkontrolle 5 Minuten auf der Uhr blieben. Im Nachhinein lässt sich daran ein Grund festmachen, warum die Mitglieder des Teams in der sechsten Runde geschlossen leer ausgingen.

Schwarz kann hier 22…Lf8 ziehen, verliert kein Material, aber wird dann nur stehen können und hoffen, dass es hält. Daniel Kopylov versuchte stattdessen 22…Lxe4, was zwar aktiv aussieht, aber den Punkt g7 aufgibt und in letzter Konsequenz die Partie verlor.
Knüdel sowie seine Kaderkollegen Felix Hampel und Jan Pubantz, außerdem der polnische FM Sebastian Poltorak liebäugeln nach zwei Dritteln des Wettbewerbs mit einer IM-Norm. Knüdel ist nach Eloperformance auf Kurs, die anderen drei fast. Nun kommt es darauf an, die bisherige Leistung in den verbleibenden drei Runden zu bestätigen bzw. noch etwas auszubauen. Außerdem wird Losglück ein Faktor sein. Um eine Norm zu erzielen, bedarf es einer ausreichenden Zahl von Gegnern aus anderen Föderationen, unter denen zudem eine ausreichende Zahl von Titelträgern sein muss.

Auch hier: Weiß kann stehen und hoffen, dass es hält. Mykola Korchinskyi opferte stattdessen einen Bauern. Nach 21.Df4 Dxa2 22.Dg4+Kf8 23.h5 wäre es in der Tat riskant, auf b3 noch einen Bauern zu schlagen. Petkidis zog stattdessen kräftig 23…De2!, und von weißem Spiel war nicht mehr viel zu sehen.
Der elobeste NSV-Kaderspieler IM Anthony Petkidis denkt nach seinem Rumpelstart nicht mehr an eine GM-Norm, freut sich aber, dass er zur zweiten Hälfte des Turniers in Fahrt gekommen ist. Gegen Mykola Korchynskyi gelang ihm der zweite Sieg in Folge. Noch besser in Fahrt ist Sarah Papp, der gegen Rainer Polzin der dritte Sieg in Folge gelang. Wie sie den Drachen des Großmeisters zielstrebig bändigte und schließlich erlegte, davon könnten sich die Sagenhelden Siegfried oder Beowulf etwas abschauen.
Äußerst unglücklich lief die sechste Runde für Inna Agrest, die drauf und dran war, Hussain Besous Rochadestellung im Sturm zu erobern. Der Deutsche Meister U14 rettete sich in ein taktisches Handgemenge, das zu einem etwa ausgeglichenen Endspiel führte. Dieses Endspiel entglitt der in Deutschland lebenden Schwedin nach und nach, sodass sie am Ende statt mit einem ganzen Punkt mit einer Null dastand.
Vladimir Baklan hat beim Niedersachsen Masters die Führung übernommen. Mit einem Schwarzsieg in der Spitzenpartie gegen Elshan Moradiabadi hat der Ukrainer mit 4 Punkten aus 5 Partien den alleinigen ersten Platz erobert. Dahinter lauern Peter Prohaszka und Robert Ris mit jeweils 3,5 Punkten.
Zusammenfassung der 5. Runde auf dem Twitch-Kanal von IM Lukas Winterberg
Was ist stärker, die Dame oder zwei Türme? Diese ewige Frage des Schachs stand zwischen Moradiabadi, mit einer Erkältung angetreten, und Baklan nach 23 Zügen zur Debatte. In einer eher geschlossenen Stellung, in der sich die schwarzen Kräfte noch entknoten mussten, schlug das Pendel anfangs für die Dame aus. Aber je aktiver die schwarzen Türme wurden, desto weiter wendete sich das Blatt. Als schließlich beide schwarzen Türme auf der weißen Grundreihe eingedrungen waren, ließ sich Moradiabadis Stellung nicht mehr halten.
Nur der ebenfalls bei 3 Punkten aus 4 Partien stehende Peter Prohaszka hätte mit Baklan gleichziehen können. Aber in seiner Partie gegen Yuryi Kuzubov sparte Prohaszka Energie für alles weitere. Die beiden Großmeister stellten acht Züge geschlossenes Katalanisch aufs Brett, dann reichten sie einander die Hand zur Punkteteilung.

Fünfeinhalb Stunden und mehr als 100 Züge gespielt, alle anderen Bretter verwaist, aber Georg Meier und Zahar Efimenko kämpfen noch. | Foto: Conrad Schormann
Die dritte GM-Partie des Tages am dritten Brett zwischen Georg Meier und Zahar Efimenko sollte die längste des Tages und des bisherigen Turniers werden. Meier spielte sich einen winzigen katalanischen Vorteil heraus, der zu einem auf dem GM-Level symbolischen Mehrbauern führte. Nach 45 Zügen stand das gute alte Turmendspiel 2 vs. 1 Bauer auf einem Flügel zur Debatte. Das ist theoretisch und auch praktisch gegen Großmeister nicht zu gewinnen, aber der Materialvorteil bringt für die meisten Spieler die gefühlte Verpflichtung mit, es zumindest zu versuchen. Meier versuchte es 128 Züge lang.

Auch Torben Knüdel und Jan Pubantz übten gut bis in die fünfte Stunden Turmendspiel. Mit unentschiedenem Ausgang.
Es geht in Wolfsburg ja nicht nur um Preisgeld und Elopunkte. Mehr als die Hälfte des Feldes beim Niedersachsen Masters spekuliert auf Normen für den Titel des Internationalen Meisters oder Großmeisters. Noch ist es zu früh, den Rechenschieber zu konsultieren, um die Chancen von Spielerinnen und Spielern zu ermitteln. Aber eine allgemeine Einschätzung der Norm-Lage lässt sich abgeben, nun, da fünf von neun Runden absolviert sind.
Die Einschätzung kommt von denjenigem, der sich als der wahre Lokalmatador des Feldes sieht. Rainer Polzin stammt aus Wolfsburg, der Hauptgrund, warum der seit langem in Berlin lebende Großmeister am Turnier in seiner alten Heimatstadt teilnimmt. Für eine IM-Norm sieht Polzin eine ganze Reihe von Anwärtern, stark aufspielende junge Leute, die schon etwas stärker sein dürften, als es ihre Elozahl aussagt.
Genau wegen dieser Leute hält Polzin eine GM-Norm in einem ambitionierten Feld wie diesem für enorm schwierig. Die im INNsIDE-Hotel versammelten 2200er und 2300er seien dafür zu gut und zu schwierig zu besiegen. Allenfalls dem stark aufspielenden Robert Ris traut Polzin eine Großmeisternorm zu.

Sehen so IM-Norm-Kandidaten aus? Giorgi Giorgadze (r.) und Torben Schulze (M.) unmittelbar nach ihrem Remisschluss mit Schiedsrichter Matthias Dämmig. | Foto: Conrad Schormann
Dass der Deutsche Meister U14 Hussain Besou Wolfsburg voraussichtlich ohne Norm verlassen wird, dafür hat Polzin in der fünften Runde mit einem klaren Sieg gesorgt. Die einseitige Partie ergab sich, nachdem der mit einer Doppelnull gestartete, aber zuletzt mit 1,5/2 zu Buche stehende Besou die Partie in einem für ihn ungesunden Maße verschärfte. Nachdem der 13-Jährige in der Eröffnung seinen König ins offene Feld lang rochiert hatte, lief die Partie nur noch in eine Richtung.
Der von Polzin gelobte Robert Ris hat sich auf überzeugende Weise in eine Position gebracht, von der aus der Turniersieg möglich ist. Ris erarbeitete sich per Bauernopfer einigen Druck und einen Vorpostenspringer auf e5 gegen Mykola Korchynskyi. Bald folgte ein Durchbruch am Königsflügel, und nach 28 Zügen war es schon vorbei.
Sarah Papp muss über IM-Normen nicht nachdenken. Den zweithöchsten Titel im Schach hat sie schon. Jetzt hat sie den zweiten vollen Punkt in Folge nach der zweiten überzeugenden strategischen Leistung eingeheimst. Ein taktischer Aussetzer von Nikita Nechitaylo in schwieriger Lage beschleunigte die Angelegenheit.

Zufrieden ist Anthony Petkidis noch nicht, aber immerhin im Turnier angekommen. | Foto: Conrad Schormann
IM Anthony Petkidis hatte zumindest zu Beginn des Wettbewerbs Anlass, über eine GM-Norm nachzudenken. Zu Ostern beim Grenke-Open in Karlsruhe war er schon ganz nahe dran. Aber in Wolfsburg lief es bislang bescheiden für Petkidis. In der fünften Runde gelang ihm gegen GM Andrey Sumets, sein nominell bester Gegner bislang, der erste Sieg. Zufrieden ist Petkidis deswegen noch lange nicht, “aber jetzt geht es wieder so halbwegs”.

Mit dem Springer auf f6 zu nehmen, ist der strukturellen Integrität wegen natürlich in Ordnung. Mit dem Bauern zu nehmen, wie es Agrest tat, ist etwa gleichwertig.
Am unteren Ende der Tabelle hat Inna Agrest die rote Laterne nicht abgegeben, aber nach einem sicheren Schwarzremis gegen Dennes Abel teilt sie sich das Tabellenende mit Nechitaylo. Abel ist es mit dieser Punkteteilung nach drei Nullen in Folge gelungen, „die Blutung zu stoppen“, wie IM Lukas Winterberg in seiner Zusammenfassung des Tages konstatierte.
Montags ab 18.45 Uhr gibt FIDE-Meister Christian Polster Fortgeschrittenentraining beim HSK Lister Turm. Am heutigen Montag fällt das Training aus, Polster spielt beim Niedersachsen Masters in Wolfsburg. Aber als seine Vereinskameraden am Montagmorgen Polsters Kurzremis gegen Torben Schulze in der vierten Runde sahen, erreichten ihn sogleich neckische Nachfragen aus Hannover. Ob er nicht die fünfte Runde genauso schnell abhaken könne? Dann wäre es möglich, bis 18.45 Uhr nach Hannover zum Training zu kommen.
Zwar wird Polster nach seinem Kurzremis in der fünften Runde auf seinen Vereinskameraden Felix Hampel treffen, gleichwohl ist eine weitere Kurzpartie unwahrscheinlich. Im Stream bei David Riemay ließen Polster und Schulze, wahrscheinlich stellvertretend für alle NSV-Kaderspieler, ihren Respekt vor dem Turnier und dem erlesenen Feld der Gegenspieler durchblicken. Es sei eine Ehre, mitspielen zu dürfen.
Dass die Niedersachsen im Angesicht von acht Großmeistern in Ehrfurcht erstarren, steht nicht zu befürchten. Sie haben ja beim einjährigen Bundesliga-Abenteuer von Lister Turm Erfahrung mit starken Gegnern gemacht. Mit einem Eloschnitt von 2580 sei er während der Bundesligasaison 23/24 konfrontiert gewesen, berichtet Schulze. Nach dieser Erfahrung ist er schachlich nicht so schnell einzuschüchtern.
Vor der Halbzeit beim Niedersachsen Masters spielen die Lokalmatadore ordentlich mit, aber nicht ganz vorne. Aus dem Duo der Tabellenführer ist nach der vierten Runde ein Trio geworden. Die beiden Spitzenreiter Elshan Moradiabadi und Peter Prohaszka remisierten, sodass sich den Verfolgern die Chance eröffnete, mit einem Sieg aufzuschließen.
Vladimir Baklan nutzte die Gelegenheit. Aus seinem günstigen Endspiel gegen FM Sebastian Poltorak knetete der ukrainische Großmeister dank aktiverer Figuren und eines wirkungsvoll blockierten gegnerischen Isolanis einen vollen Punkt heraus. Baklan spielt in der fünften Runde gegen Moradiabadi, die erste von drei GM-vs-GM-Partien an den ersten drei Brettern.
Supertalent Mykola Korchynskyi verpasste die Gelegenheit, sich ganz oben einzureihen. Gegen Georg Meier befolgte der Deutsche U14-Vizemeister das beste Rezept gegen nominell deutlich stärkere Spieler: Verwicklungen anzetteln und dem 2600er Chancen geben zu straucheln. Korchynskyi verzichtete auf die Rochade, warf seine Königsflügelbauern nach vorne und war zeitweise nahe dran, sich einen GM-Skalp zu sichern. Die wildeste Partie der Runde mündete in ein Endspiel, das nach einigen Verwicklungen unentschieden endete.
Sarah Papp, “stärkste Schachspielerin Niedersachsens” laut NSV-Präsident Michael S. Langer und eine von zwei Frauen im Feld, sicherte sich gegen NSV-Kaderspieler Dennes Abel ihren ersten vollen Punkt. In der Eröffnung gewann sie einen Bauern, später eine Qualität, dann sogar einen ganzen Turm. Riemay pries im Stream die Zähigkeit, mit der Abel Ressourcen aufspürte und seine Ruine 64 Züge lang verteidigte, aber zu retten war die Partie nicht.
Alle 24 haben jetzt Zählbares auf dem Punktekonto. Nach drei Nullen zum Auftakt gewann Nikita Nechitaylo mit den schwarzen Steinen eine stark geführte Partie gegen Inna Agrest. Die Schwedin findet sich vorerst mit einem halben Zähler am Tabellenende wieder.
Die dritte Runde brachte die erste Partie zwischen Großmeistern. Der Vergleich zwischen Tabellenführer Peter Prohaszka und Vladimir Baklan endete nach wenig aufregendem Verlauf mit einem frühen Remisschluss in ausgeglichener Stellung. Damit hat Prohaszka erstmals im Turnier nicht gewonnen und dadurch die alleinige Führung eingebüßt. Elshan Moradiabadi nutzte die Gelegenheit aufzuschließen. Diese beiden führen jetzt das Feld mit 2,5 Punkten an. In der vierten Runde am Montag ab 9 Uhr treffen sie aufeinander.

Die Ergebnisse der dritten Runde
Der Sieg Moradiabadis, der erfolgreich dem Jetlag trotzt, bedeutet für den blitzgestarteten Daniel Kopylov die erste Niederlage des Turniers. Danach hatte es lange nicht ausgesehen. Kopylov stibitzte ausgangs der Eröffnung einen Bauern, zwischenzeitlich gar zwei, für die der US-Großmeister allenfalls vage Kompensation anmelden konnte. Aber während Moradiabadi seine Kräfte immer besser ins Spiel brachte, fand Kopylov weder Koordination noch eigene Möglichkeiten. Schließlich erlag er dem in der Luft liegenden Überfall.

Kein Grund, skeptisch zu gucken: Elshan Moradiabadi, Tabellenführer. | Foto: Henning Lüders

26.Sg5+ war nur ein Strohfeuer. Nach 26…Sxg5 nebst …Txf2 ist es aus.
Yuryi Kuzubov, Kopylovs Opfer aus der ersten Runde, hat mit seinem zweiten Sieg seine Aufholjagd eingeläutet und noch dazu gegen Dennes Abel den Zug der dritten Runde aufs Brett gestellt. In der zweiten Weißpartie in Folge vermochte Abel mit den weißen Steinen nichts herauszuholen. Er geriet in einen Königsangriff, den Kuzubov mit 27…Dg3! Nebst Matt in 7 krönte.

27…Dg3!, der Zug der Runde
Georg Meier verpasste die Gelegenheit, mit den Tabellenführern gleichzuziehen. Mit den weißen Steinen kam Meier gegen NSV-Talent Giorgi Giorgadze nicht über einen halben Punkt hinaus, obwohl ihm sein Katalane wie in der Partie gegen Hussain Besou wieder gute Dienste zu leisten schien. Aber in dieser Partie brach Meier nicht durch, fand nicht immer den präzisesten Zug, während Giorgadze sich zäh und letztlich erfolgreich verteidigte.

Eröffnung nicht gut gelaufen, trotzdem die Partie gegen Georg Meier gehalten: Giorgi Giorgadze, 2,5/3, trifft jetzt auf Daniel Kopylov. | Foto: Henning Lüders
Den Coup der dritten Runde landete Mykola Korchynskyi gegen Großmeister Andrey Sumets. Gegen das zu ambitionierte Vorgehen von Sumets landete Korchynskyi einen Konter. Aus den folgenden Schwierigkeiten vermochte sich Sumets nicht zu befreien. Zum Schluss gab Korchynskyi kühl seine Mehrfigur zurück, um die Partie in ein gewonnenes Bauernendspiel abzuwickeln.

27.g4? lief in den Konter 27…e4!, nach dem Schwarz am Drücker war.
Als einer der NSV-Trainer besteht Zahar Efimenkos Auftrag darin, die niedersächsischen Kaderspieler besser zu machen. Im Niedersachsen Masters macht er bislang deren Elozahl besser. Das Drittrunden-Unentschieden gegen Torben Knüdel markiert das dritte Unentschieden des Großmeisters in Folge gegen einen Spieler des NSV-Kaders.

Zahar Efimenko (rechts) versorgt den NSV-Kader mit Elo, Yuriy Kuzubov (links) hat sich von seiner Auftaktschlappe erholt. | Foto: Conrad Schormann
Unglücksrabe der dritten Runde ist Sarah Papp. Gegen Felix Hampel spielte sie eine ambitioniert vorgetragene Angriffspartie, erkämpfte sich entscheidenden Vorteil, aber strauchelte im taktischen Durcheinander. Unglücklich wird auch Nikita Nechitaylo den Turniersaal verlassen haben. Im Duell der 14-Jährigen entglitt ihm seine Partie gegen Hussain Besou. Nechitaylo bleibt vorerst bei null Punkten, Besou meldet sich zurück im Turnier.

30…Tg6! wäre der Ausknipser gewesen. 31.Dxd7 scheitert an 31…Sxh3+ 32.Kh1 Tg1#.
Schon nach zwei Runden hat das Niedersachsen Masters den ersten alleinigen Tabellenführer. Großmeister Peter Prohaszka gewann nach seinem Auftaktsieg gegen Mykola Korchinskyi auch seine zweite Partie gegen Dennes Abel. Als einziger der 24 Spielerinnen und Spieler steht der Ungar nun mit 2 Punkten aus 2 Partien ganz oben. Dahinter lauern 7 Spieler mit 1,5 Punkten.

Der Livestream von Runde 2 mit CM Justus Bargsten, Patrick Werner und den Gästen Georg Meier, Elshan Moradiabadi sowie Torben Knüdel:

Spitzenreiter: Peter Prohaszka. | Foto: Conrad Schormann
Aus der Eröffnung heraus hatte Prohaszka gegen Abel bequemes Spiel, das umso bequemer wurde, als Abel versuchte, die Stellung abzuschließen, um das schwarze Läuferpaar zu neutralisieren. Dadurch ergaben sich auf beiden Flügeln sowie im Zentrum Felderschwächen und Einfallschneisen. Bald vermochte Abel all die Löcher in seiner Bastion nicht mehr zu stopfen.

28.f4 war der weiße Versuch gewesen, dem schwarzen Läuferpaar die Wirkung zu nehmen. Aber nach 28…Le8 brennt es auf beiden Flügeln und in der Mitte noch dazu. …Lh5 liegt in der Luft, …La4 auch, und auf d3 wird eher früher als später ein schwarzer Turm einsteigen.
Das straffe Programm mit Doppelrunden und morgendlichem Rundenbeginn um 9 Uhr führte am Sonntagmorgen in Wolfsburg zu einigen schnellen, taktischen Punkteteilungen. Unter denen, die friedlich gestimmt den Turniersaal betraten, war Daniel Kopylov, der seinem Erstrundensieg über einen GM nicht unbedingt einen zweiten folgen lassen wollte. Es zeigte sich, auch Zahar Efimenko auf der anderen Seite des Brettes war nicht nach Kampf zumute. Es war noch nicht einmal die Ausgangsstellung des soliden, remisträchtigen Abtausch-Grünfeldinders erreicht, da bot Efimenko remis, Kopylov akzeptierte.

Kaum hatte die Partie zwischen Zahar Efimenko und Daniel Kopylov begonnen, war sie schon vorbei. | Foto: Conrad Schormann
Im Duell des höchstbewerteten NSV-Kaderspielers gegen den zweitniedrigstbewerteten triumphierte der Außenseiter im Stil eines abgezockten Profis. Giorgi Giorgadze (Elo 2232) reichte ein Fehler von Anthony Petkidis (Elo 2436), um ein etwa ausgeglichenes Endspiel in ein gewonnenes zu verwandeln. Petkidis hatte eine Invasion gegnerischer Truppen in sein Lager zugelassen, die die Partie bald entschied.

Nach 28.Tbe1 ist für Schwarz guter Rat teuer. Weiß droht, auf der sechsten und auf der siebten Reihe einzusteigen.
Mit einem Ausrufezeichen hat sich Torben Knüdel zurückgemeldet. Der NSV-Leistungssportreferent schaffte es mit den schwarzen Steinen gegen Hussain Besou, in einem Anti-Marshall trotzdem ein Marshall-Gambit zu spielen. Für den Bauern bekam er prächtiges Spiel. Mit dem Knüllerzug der Runde beendete Knüdel das Gefecht nach nur 21 Zügen.

21…Se3! und aus. Schwarz plant …De4 nebst matt, und noch dazu droht …Sc2, und der im Eck gefangene Turm auf a1 geht verloren.
Ein Turnier mit regionalem Charakter bringt mit sich, dass regelmäßig Freunde und Kaderkollegen aufeinandertreffen. Am Sonntagmorgen ruhte für vier Stunden die Freundschaft der Supertalente Nikita Nechitaylo und Mykola Korchynskyi, die es nach Auftaktniederlagen nun miteinander zu tun bekamen.

Mykola Korchynskyi gelang im Duell der Freunde und Trainingspartner ein Schwindel, der eine kritische Partie gewann. | Foto: Conrad Schormann
Eigentlich hatte Nechitaylo mit den schwarzen Steinen die Nase vorn, nachdem Korchynskyi für sein zu kühnes Figurenopfer nicht genug Spiel bekommen hatte. Mit dem ihm verbliebenen Freibauern versuchte Korchynskyi so gut wie möglich, Probleme zu stellen – und wurde belohnt. Nechitaylo verrechnete sich. Was als Gewinnabwicklung geplant war, drehte die Partie in die andere Richtung.

29…Td8?, oje. Jetzt gewinnt 30.Dxd8+! nebst 31.c7.
Weitere Momente der zweiten Runde:

Mit der Zeitkontrolle gelang es Vladimir Baklan die Partie gegen Felix Hampel an sich zu reißen. Schwarz muss die Dame geben. Hampel verteidigte das technisch anspruchsvolle Endspiel über 60 Züge lang, aber musste am Ende die Waffen strecken.

19…h5, und Schwarz steht sehr in Ordnung. Aber Christian Polster fand eine Notbremse in Form von 20.Txh5!, das ein Remis erzwingt.
6,5 Punkte aus 7 Partien, überlegener Turniersieger. Das war die Bilanz von Daniel Kopylov Anfang November beim Open in Leer. Jetzt macht Kopylov in Wolfsburg weiter, wo er in Leer aufgehört hat. Mit einem Sieg über Großmeister Yuriy Kuzubov ist Kopylov ins Niedersachsen Masters gestartet. “Den Eloriesen umgenietet”, kommentierte IM Lukas Winterberg in der abendlichen Zusammenfassung der ersten Runde.
Die Ergebnisse der ersten Runde:
Livestream der ersten Runde mit CM Justus Bargsten, Patrick Werner sowie den Gästen GM Georg Meier und Torben Schulze:
Das INNSiDE-Hotel im Herzen Wolfsburgs markiert jetzt für eine Woche das niedersächsische Schachzentrum. NSV- und VW-Fahnen vor dem Eingang kündigen Besuchern an, wie es drinnen zugeht. Die knapp 200 Spielerinnen und Spieler des parallel zum Masters laufenden NSV-Grand-Prix haben mit ihren Brettern das Foyer besetzt. Unweit davon in den Veranstaltungsräumen laufen die Turniere, neben Masters und Jubiläums-Grand-Prix auch die Endrunde des niedersächsischen Dähnepokals.

Der NSV-Jubiläums-Grand-Prix in Wolfsburg. | Foto: Conrad Schormann
Den Verantwortlichen des Hotels ist das sehr recht so. Enrico Noack, Director Operations Region East der Meliá-Gruppe, sowie Annika Uiselt, Assistant Manager des INNSiDE und des benachbarten Centrum-Hotels, hießen den Schachtross zur Eröffnung des Masters willkommen. Er habe früher selbst im Verein gespielt, verriet Noack bei dieser Gelegenheit. Als ihn die Anfrage von NSV-Präsident Michael S. Langer erreicht habe, die Jubiläumsturniere in Wolfsburg zu beherbergen, habe er sofort und sehr gerne zugesagt.
Seine Kollegin Uiselt beendete zur Eröffnung des Masters das Rätselraten, das manche Teilnehmer seit Tagen beschäftigt hatte. Gegen wen sie spielen, hatten sie anhand der Setzliste ausrechnen können. Aber mit welcher Farbe? Das offenbarte sich erst, als Uiselt aus der Hand von Hauptschiedsrichter Stefan Ewert einen schwarzen Bauern zog. Damit stand fest, Kuzubov würde am ersten Brett die schwarzen Steine gegen Kopylov führen – mit dem bekannten Ergebnis, siehe oben.

Eröffnung des Niedersachsen Masters: (von links) Annika Uiselt (Meliá), Michael S. Langer (NSV-Präsident), Stefan Ewert (Hauptschiedsrichter) und Enrico Noack (Meliá). | Foto: Conrad Schormann
Am zweiten führte Georg Meier die weißen gegen Hussain Besou, eine Gelegenheit, in der nominell interessantesten Partie des Tages dem Youngster eine katalanische Lektion zu erteilen. Der jüngste Nationalspieler jemals hatte gegen den Europameister von 2011 aus der Eröffnung heraus wenig zu bestellen. Meier erklärte das Geschehen mit einem Wort: “Erfahrung”.
Besou (13) habe sich in seiner kurzen Schachkarriere noch nicht die Eröffnungsfeinheiten aneignen können, die für einen langjährigen Profi zum Handwerkszeug gehören. Meier spielte einen unschuldig anmutenden achten Zug, den er nie zuvor gespielt hatte, Besou fand nicht den richtigen Aufbau und stand sogleich mit dem Rücken zur Wand. Schon nach 16 Zügen sei die Partie im höheren Sinne entschieden gewesen, erklärt Meier.

Hussain Besou bekam zum Masters-Auftakt eine katalanische Lektion erteilt. | Foto: Henning Lüders
NSV-Kaderspieler Torben Schulze hatte vor dem Turnier beim Studium möglicher Gegenspieler festgestellt: “Entweder du bekommst einen Zehnjährigen oder einen Großmeister mit 2600.” Zum Auftakt war es die zweite Option. Schulze musste gegen Großmeister Vladimir Baklan ran, Elorekord 2656. Es wurde die kürzeste Partie des Tages, dreimalige Stellungswiederholung nach 20 Zügen.
Schulze war natürlich nicht entgangen, dass die Friedfertigkeit seines großmeisterlichen Gegenübers mit dessen bescheidener Stellung auf dem Brett zusammenhing. Trotzdem ließ er die Stellungswiederholung geschehen, Respekt vor einem Großmeister, dessen Fähigkeiten Schulze nach mancher gemeinsamer Trainingssession nur zu gut einzuschätzen weiß.

Ein sehr ordentlicher Turnierstart für die NSV-Kaderspieler Torben Schulze (links) und Jan Pubantz. Beide trotzten großmeisterlichen Gegnern einen halben Punkt ab. | Foto: Conrad Schormann
Dazu kam aus Sicht des Lokalmatadors das Handicap eines Kaltstarts nach einer intensiven Arbeitswoche bei Turniersponsor VW, die kaum Gelegenheit bot, das Gehirn auf Schach zu trimmen. Schulze hat beim Studium möglicher Gegenspieler noch etwas festgestellt. Das Turnier sei so stark, “ich kann hier Letzter werden”. Ein Start mit einem Unentschieden gegen einen der Favoriten macht dieses bedrohliche Szenario unwahrscheinlich.
Impressionen vom Auftakt:

CM Justus Bargsten bei der Arbeit. Bargsten wird auch am zweiten Turniertag das Publikum durchs Geschehen führen. Am dritten übernimmt Schachpanda David Riemay. | Foto: Conrad Schormann

Der Schulpflicht wegen hing Giorgi Giorgadzes Teilnahme zeitweise am seidenen Faden. In der ersten Runde setzte er Großmeister Rainer Polzin einen Rubinstein-Franzosen vor und remisierte ohne allzu große Probleme. | Foto: Conrad Schormann

Im Open machten zwei neue Schachfreunde die unangenehme Erfahrung, dass ein Handy in der Hosentasche, ob ausgeschaltet oder nicht, zum Partieverlust führt. Sowas passierte den alten und jungen Hasen im Masters natürlich nicht. Aber ein Schachmeister, sein Name sei verschwiegen, machte die Erfahrung, dass es leichter ist, sein Handy nach der Partie wiederzufinden, wenn es vor der Runde in der dafür vorgesehenen Kiste abgelegt wird. | Foto: Conrad Schormann

NSV-Leistungssportreferent Torben Knüdel hat erheblich dazu beigetragen, dass das 100-jährige Verbandsjubiläum im Zeichen des Spitzensports steht. Knüdel startete mit einer Niederlage gegen Robert Ris in sein Spitzenturnier. Anthony Petkidis (l.), mit 2436 Elo der höchstbewertete NSV-Kaderspieler, trennte sich von seinem Kaderkollegen Christian Polster unentschieden. | Foto: Conrad Schormann

Sarah Papp (l.) und Inna Agrest wehrten sich gegen nominell favorisierte Gegner nach Kräften, aber starteten jeweils mit einer Null ins Turnier. In der zweiten Runde treffen sie aufeinander. | Foto: Henning Lüders

Robert Ris im Kampfmodus. | Foto: Conrad Schormann