Die Unterstützung für das Niedersachsen Masters im November 2024 war nicht das erste Engagement des Volkswagen-Konzerns im Schach. Tatsächlich ist Magnus Carlsen, der beste aller Schachspieler, in der VW-Zentrale kein Unbekannter. Darauf machte Dominik Günther von der VW-Sportkommunikation jetzt in Wolfsburg aufmerksam, als am Rande des Turniers auf Initiative von NSV-Präsident Michael S. Langer Sponsoren und Unterstützer des Wettbewerbs zu unserem 100-jährigen Verbandsjubiläum einander begegneten.
Magnus Carlsen und Sébastien Ogier auf der VW-Teststrecke. | Foto: VW
Im Juli 2015 hat Magnus Carlsen das Werk des Automobilherstellers in Wolfsburg besucht. Der damalige Schachweltmeister traf auf Sébastien Ogier, den damaligen zweifachen Rallye-Weltmeister. Carlsen erlebte unter anderem eine rasante Testfahrt in einem Volkswagen Polo WRC auf der Teststrecke von Volkswagen in Ehra-Lessien. Vor der Abfahrt erklärte der Rallye-Profi dem Schach-Champion seinen Arbeitsplatz und weihte ihn dann in die Drift-Kunst ein.
Carlsen zeigte sich beeindruckt von der Präzision und Kontrolle, die im Motorsport erforderlich sind, und zog Vergleiche zur strategischen Planung im Schach. „Großartig, wie Sébastien sein Auto beherrscht und um die Kurven schmeißt“, sagte Carlsen. „Schach und Rallye haben mehr gemeinsam als man vermutet. Beides erfordert höchste Konzentration und Präzision. Und man muss immer zwei Schritte vorausschauen.“
Schach in der VW-Stadt: (von links) Jörg Tenninger (stellv. NSV-Präsident), Annika Uiselt (Assistand Manager INNSiDE), Michael S. Langer (NSV-Präsident), Ines Simon (Leiterin Wolfsburg Convention Bureau), Dominik Günther (VW-Sportkommunikation). | Foto: Conrad Schormann
Schach und Sponsoren – ein Thema, das sich angesichts unseres von mehreren Unternehmen und Organisationen unterstützten Jubiläumsturniers anbot. „Think big! Erfolgreiches Sponsoring und Marketing im Schachsport“ war der Titel eines Online-Seminars der Chess Sports Association am 19. November, bei dem Michael als einer von drei Referenten die 133 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufforderte, groß zu denken.
Tags darauf sowie bei der Siegerehrung trafen sich im INNSiDE in Wolfsburg einige Unterstützer und Förderer des Schachsports, darunter der bereits erwähnte Dominik Günther, Jens Hofschröer, Chef des Wolfsburg-Marketings (WMG), Ines Simon (Leiterin Wolfsburg Convention Bureau), Annika Uiselt (Assistant Manager INNSiDE), Christian Kieschke (meliá, Director of Sales Region East Germany), Enrico Noack, Director Operations Region East der Meliá-Gruppe.
Der Turniersieg von Vladimir Baklan beim Niedersachsen Masters kündigte sich an. Zum Schluss des Turniers ist er überlegener ausgefallen, als zu erwarten war. Auch in der letzten Runde gewann Baklan seine Partie. Mit 7 Punkten aus 9 Partien hat der ukrainische Großmeister den Wettbewerb mit einem Punkt Vorsprung für sich entschieden.
Die Vorentscheidung in der siebten Runde: Vladimir Baklan hält mit den schwarzen Steinen gegen Verfolger Georg Meier stand. Danach ließ der ukrainische Großmeister, Nummer 5 der Setzliste, keine Zweifel mehr aufkommen, wer das Turnier gewinnt. | Foto: Conrad Schormann
Einigermaßen mithalten konnte nur Georg Meier, der mit 6 Punkten den alleinigen zweiten Platz belegt. Mit seinem Schwarzremis am Schlusstag gegen Peter Prohaszka war Meier notgedrungen zufrieden. Er habe nicht gut gespielt. Der Energieverbrauch der vergangenen Tage habe sich in Form einer zeitweise kritischen Stellung auf dem Brett bemerkbar gemacht.
In der Tabelle reihen sich hinter Meier die Großmeister Yuriy Kuzubov und Peter Prohaszka sowie FIDE-Meister Daniel Kopylov mit jeweils 5,5 Punkten ein.
Preisträger, Organisatoren, Unterstützer bei der Siegerehrung: (von links): Georg Meier, Turniersieger Vladimir Baklan, NSV-Präsident Michael S. Langer, Peter Prohaszka, Daniel Kopylov, Yuryi Kuzubov, Robert Ris, Annika Uiselt (Executive Assistant Manager INNSiDE), Christian Kieschke (meliá, Director of Sales Region East Germany), Zahar Efimenko, Elshan Moradiabadi. | Foto: Conrad Schormann
Drei Teilnehmer haben sich eine IM-Norm erkämpft. NSV-Kaderspieler und –Leistungssportreferent FM Torben Knüdel sowie der polnische FM Sebastian Poltorak hatten sich ihre Norm schon nach acht Runden gesichert, Knüdel deutlich, Poltorak ganz knapp. “Wir haben in seinem Fall mehrfach nachgerechnet, um sicher zu sein”, berichtet Schiedsrichter Matthias Dämmig. Dazu kommt FM Daniel Kopylov, der am Ende eines wechselhaft verlaufenen Turniers mit seinem Sieg in der neunten Runde über Christian Polster die Norm-Marke und noch dazu die Preisränge erreichte.
Für Knüdel ist es schon die zweite IM-Norm. Sie macht seine Niederlage in der letzten Runde zu nicht mehr als einem kleinen Nebengeräusch. Neben seinem persönlichen Erfolg freut sich Knüdel über den reibungslosen, kämpferischen Verlauf des Turniers, an dessen Entstehung er ganz wesentlich mitgewirkt hat.
IM-Norm geschafft: (von links) Sebastian Poltorak, Daniel Kopylov, Torben Knüdel. | Foto: Conrad Schormann
NSV-Kaderspieler Jan Pubantz hätte in der letzten Runde ebenfalls eine IM-Norm schaffen können, brauchte dafür aber einen Sieg über IM Robert Ris. Pubantz versuchte sein Möglichstes, wehrte sich hartnäckig in einem schwierigen Endspiel, erkämpfte sich schließlich Gegenchancen, aber der Niederländer Ris hielt seine Stellung zusammen. Nach 72 Zügen hatte Pubantz zwar eine Mehrfigur, aber dieser Läufer war neben den beiden Königen die einzige Figur auf dem Brett – remis. Allzu betrübt war Pubantz nach einem starken Turnier nicht. Das sachliche Resümee: “Ich habe es versucht, es hat nicht gereicht.”
Jan Pubantz spielte ein starkes Turnier, knapp nicht stark genug für eine IM-Norm. | Foto: Conrad Schormann
Rundum zufrieden gab sich bei der Siegerehrung NSV-Präsident Michael S. Langer, der sich bei allen Beteiligten bedankte: bei den Spielerinnen und Spielern für neun Runden hochklassiges Schach, beim Organisationsteam und Technik für eine “glänzende Leistung”, bei allen Unterstützern – VW, Lotto-Sport-Stiftung, d-fine, macron, ChessBase, CSA – und nicht zuletzt beim Hotel INNSiDE, dessen Direktorin Annika Uiselt und ihr Team den Schachtross mit einer Offenheit und Herzlichkeit empfingen und umsorgten, die er so noch nicht erlebt habe.
Im Livestream zur neunten Runde kommentierte Michael S. Langer an der Seite von SV-Werder-Cheftrainer David Lobzhanidze.
Und jetzt? War’s das?
Vor dem Hintergrund einer gelungenen Veranstaltung kündigt Langer an, dass es nicht 100 Jahre dauern wird, bis der Niedersächsische Schachverband ein weiteres Spitzenturnier ausrichtet, gerne wieder in Sichtweite des VW-Werks im Wolfsburger Hotel, das als niedersächsisches Schachzentrum auf Zeit eine ausgezeichnete Figur abgegeben hat.
Der Wettbewerb sei ein sportlicher Leuchtturm gewesen, mit dem sich der Verband gerne wieder schmücken würde. Langers Wunsch ist, das NSV-Einladungsturnier zu einem jährlichen sportlichen Highlight “zu verstetigen”. Ob das machbar und vor allem finanzierbar ist, will Langer in den kommenden Wochen und Monaten ausloten.
Der Livestream zur neunten Runde:
Josefine Heinemann zeigt die Sechstrundenpartie Georg Meier vs. Sebastian Poltorak:
Eine Niederlage von Vladimir Baklan würde den Verfolgern die Chance eröffnen, den souveränen Tabellenführer auf den letzten Metern doch noch abzufangen. Yuryi Kuzubovs Interesse, Baklan zu stoppen und selbst das Turnier zu gewinnen, war zur achten und vorletzten Runde nicht allzu ausgeprägt. Nach 12 Zügen in einer theoretischen Stellung der Berliner Verteidigung bot Kuzubov remis an, Baklan akzeptierte.
Spitzenstand nach der 8. RundePaarungen der 9. Runde
Baklan führt jetzt mit 6 Punkten aus 8 Partien das Feld an. Erster Verfolger mit 5,5 Punkten ist Georg Meier, der am zweiten Brett gegen Elshan Moradiabadi eine klassische Georg-Meier-Partie gewann. Mit den weißen Steinen erarbeitete sich Meier ein vorteilhaftes Doppelturmendspiel. Seine bessere Struktur und die aktiveren Türme gaben ihm anhaltenden Druck, unter dem Moradiabadi schließlich kollabierte.
Ohne Mütze, ohne Mantel: Dem angeschlagenen Elshan Moradiabadi geht es gesundheitlich immer besser, aber auf dem Brett lief es in der achten Runde gegen ihn. | Foto: Conrad Schormann
Torben Knüdel und Peter Prohaszka hätten mit einem Sieg in ihrem Duell am dritten Brett ebenfalls auf 6 Punkte kommen können. Aber die beiden einigten sich auf remis, als abzusehen war, dass die Partie zu einem ein beiderseits wenig ergiebigen Endspiel verflachen würde. Für Knüdel ist der halbe Punkt, zumal gegen einen Großmeister aus einer anderen Föderation, wertvoll.
Für Torben Knüdel ist die IM-Norm greifbar. In der letzten Runde wird der NSV-Kaderspieler sogar im Kampf um den Turniersieg ein Wörtchen mitreden. | Foto: Conrad Schormann
Der NSV-Kaderspieler und –Leistungssportreferent hat seine IM-Norm so gut wie geschafft. In der letzten Runde steht er allerdings vor der höchsten Hürde, die das Niedersachsen Masters zu bieten hat. Knüdel wird am ersten Brett mit den schwarzen Steinen auf Tabellenführer Baklan treffen.
Aus Zahar Efimenkos Perspektive drohte eine Demontage. Aber mit der Klasse und Routine eines ehemaligen 2700ers rettete sich der ukrainische Großmeister ins Unentschieden.
Am vierten Brett zwischen Zahar Efimenko und Sebastian Poltorak ging es nicht mehr um den Turniersieg, aber für Poltorak ebenfalls um eine IM-Norm. Der polnische FM war drauf und dran, den U14-Weltmeister von 1999 mit den schwarzen Steinen zu überspielen. Efimenko rettete sich in ein Endspiel mit einer Minusfigur, die seine zwei Mehrbauern kaum kompensierten. Aber mit jedem Bauerntausch kam der erfahrene Großmeister dem Remis näher. Schließlich stand Turm plus Springer versus Turm auf dem Brett – remis.
27.Sd4, wunderbar. Den Springer lässt Schwarz besser nicht in die Nähe seines Königs kommen. Aber ihn zu nehmen, ist auch nicht gut. Nach 28.Lxd4+ Lf6 29.Dg1+ Kf7 30.Lxf6 Kxf6 31.Dd4+ nebst Tg1 hat Weiß entscheidenden Angriff.
Andrey Sumets wünscht sich wahrscheinlich, dass das Turnier noch etwas dauert. Mit bescheidenen 1,5/5 gestartet, ist der ukrainische Großmeister zuletzt zu großer Form aufgelaufen. Auch sein dritter Sieg in Folge über Felix Hampel war sehenswert. Mit 4,5/8 steht Sumets, ursprünglich Mitfavorit, jetzt erstmals über 50 Prozent.
Zwei Runden vor Schluss ist Vladimir Baklan noch nicht durch, aber kurz davor. Seine Siebtrundenprüfung, Schwarz gegen Georg Meier, hat der ukrainische Großmeister überstanden, ohne sich strecken zu müssen. Dank des Remis gegen Meier bewahrt Baklan mit 5,5 Zählern seinen Vorsprung von einem Punkt vor einer fünfköpfigen Verfolgergruppe.
Vladimir Baklan, nicht zu stoppen? | Foto: Conrad SchormannTabellenstand nach der 7. Runde
Will einer der Verfolger Baklan den Turniersieg entreißen, muss es jemand schaffen, den Tabellenprimus zu besiegen. In der achten Runde wird es Mitfavorit Yuryi Kuzubov versuchen. Der war mit einer Niederlage ins Turnier gestartet. Zur achten Runde hat sich Kuzubov zurück ans erste Brett gekämpft. Dort trifft er im ukrainischen Duell mit den schwarzen Steinen auf Baklan.
In der siebten Runde hatte Kuzubov mit Schwarz gegen NSV-Kaderspieler Felix Hampel leichtes Spiel. Schon in der Eröffnung erwischte er den Lokalmatador auf dem falschen Fuß (siehe Diagramm unten). Hampel musste die Partie mit einem Bauern weniger und noch dazu einer kaum koordinierten und entwickelten Stellung bestreiten. Er versuchte, Widerstand zu organisieren, vergebens.
Torben Knüdel (l.) und Elshan Moradiabadi (r.) sind Tabellenführer Baklan auf den Fersen. Moradiabadi, auf dem Weg der Genesung, verzichtete in der siebten Runde auf seine Mütze, saß aber im Mantel am Brett. | Foto: Conrad Schormann
Mit Torben Knüdel hat sich dank eines Siebtrundensiegs über Sarah Papp ein NSV-Kaderspieler ins Quintett der Verfolger gekämpft. Damit hat Knüdel (Eloperformance 2489) gute Aussichten auf eine IM-Norm. “Wie Weihnachten heute”, schwärmte der NSV-Referent für Leistungssport, als ihm die Auslosung für die achte Runde die zweite Weißpartie des Tages bescherte – allerdings gegen einen veritablen Widersacher. Knüdel trifft am dritten Brett auf den ungarischen Großmeister Peter Prohaszka.
Peter Prohaszka (l.) und Georg Meier trennt ein Punkt von Tabellenführer Baklan. | Foto: Conrad Schormann
Prohaszka versuchte in der siebten Runde mit Weiß gegen Anthony Petkidis sein Möglichstes, um den Abstand auf Baklan zu verkürzen. Zwischenzeitlich sah es dank eines auf d6 eingepflanzten Oktopus-Springers gut aus, aber im Endspiel war Prohaszka nahe daran, die Partie zu überziehen und sogar zu verlieren.
Andrey Sumets spielte den Zug der siebten Runde (siehe weiter unten). | Foto: Henning Lüders
Für den Zug des Tages zeichnet der Ukrainer Andrey Sumets verantwortlich. Nach bescheidenem Start wird Sumets nicht mehr ganz oben eingreifen, ist aber mit dem zweiten Sieg in Folge in Fahrt gekommen. Im Großmeisterduell gegen Rainer Polzin machte Sumets sehenswert den Sack zu.
Momente der 7. Runde:
28…Dg2+! und aus.25…Scxe3! gibt Schwarz gutes Spiel, bewahrte Schwarz aber nicht vor einer Niederlage.Der Springer c5 hängt? Egal! Nach 27.Txa7! ist 27…bxc5? verboten. Weiß bekäme mit 28.Th7 überwältigenden Angriff.23.h4?! war ein taktischer Wackler von Moradiabadi. Schwarz könnte den Bauern nehmen. 24.Lg5 würde mit 24…Tdh8! gekontert.Yuryi Kuzubov erwischte Felix Hampel schon in der Eröffnung. In dieser kuriosen Gemengelage würde nur 10.Db3! zu ordentlichem weißen Spiel führen. Hampel entschied sich für 10.bxc3 und kämpfte bald für eine verlorene Sache.
Vladimir Baklan hat seine Führung im Niedersachsen Masters ausgebaut. Nach einem Sieg über Robert Ris steht der ukrainische Großmeister mit 5 Punkten aus 6 Partien einen Zähler vor der Konkurrenz. Verfolger Peter Prohaszka begnügte sich am zweiten Brett mit einem schnellen Schwarzremis gegen Zahar Efimenko. Zweiter Verfolger ist jetzt Georg Meier, der Sebastian Poltorak besiegte. Prohaszka und Meier stehen jeweils bei 4 Punkten. In der siebten Runde hat Meier im direkten Duell gegen Baklan die Chance, den Tabellenführer einzuholen.
Die Ergebnisse der 6. Runde.
Meier wird, wie immer, “so gut spielen, wie ich kann”, und dann sehen, wofür das reicht. Beobachter in Wolfsburg erleben den ehemaligen Europameister gelassen, auch wenn er aus seinen Partien nicht immer das Maximum herausholt. Vor ein paar Jahren, als Profi, hätte Meier in den zwei Remispartien gegen Youngster nicht jeweils einen halben Punkt liegengelassen. “Aber jetzt bin ich halt Amateur”, sagt der 2600-Großmeister lächelnd.
Auf d3 eine Qualität geopfert, dann mit …d4 die lange Diagonale geöffnet (und den Ta2 angegriffen), dann positionelle Dominanz bis zum Partiegewinn.
Ein Amateur, der seinen Sport liebt wie eh und je. Meier hätte es gar nicht schlimm gefunden, auch am Dienstag noch eine Doppelrunde zu spielen. Nach seinem 130-Züger vom Vorabend fühlte er sich im Turnierrhythmus angekommen, ein Rhythmus, den, wie Schiedsrichter Matthias Dämmig augenzwinkernd feststellte, “subversive Elemente” in Team und Teilnehmern durcheinanderbringen wollten. Das Ansinnen dieser Elemente (darunter der Schreiber dieser Zeilen): den Beginn der morgendlichen Dienstagsrunde kurzfristig um eine Stunde nach hinten verschieben. Es hatte keine Chance auf Erfolg.
David Riemay (links) räumte seinen Streamingstuhl, damit Torben Knüdel (M.) und Christian Polster ihre Partie zeigen konnten. | Foto: Conrad Schormann
Wer erwartete, dass die Mehrzahl der zwölf Partien am Tag ohne Doppelrunde schnell endet, sah das Gegenteil. Außer bei Efimenko-Prohaszka und Schulze-Abel wurde hart gekämpft, neun der zwölf Partien hatten einen Sieger. “Die beste Runde bislang” sahen NSV-Leistungssportreferent Torben Knüdel und Streamer David “Schachpanda” Riemay, der in seinem Schachstudio zahlreiche elostarke Besucher empfing, die dem Publikum ihre Partien und die der Konkurrenz erläuterten. “Heute haben die Schachmeister fast Schlange gestanden”, freute sich Riemay.
58…Df3+! erzwang die Punkteteilung. Schwarz holt sich den Sc7, Weiß gibt Dauerschach.
Unter denen, die an den Brettern kämpften, befand sich einer, dessen Anwesenheit nicht unbedingt zu erwarten gewesen war. Elshan Moradiabadi, ohnehin vom Jetlag geplagt, hatte sich am Vortag eine arge Erkältung eingefangen. Aber die Zufuhr von Schlaf und spontan besorgten Medikamenten versetzten den US-Großmeister über Nacht in einen spielfähigen Zustand. Mit Mütze und Mantel extrawarm gekleidet, widerstand Moradiabadi allen Versuchen Yuryi Kuzubovs, seinem angeschlagenen Gegner einen Punkt abzuluchsen. Am Ende musste Kuzubov ein Dauerschach forcieren.
Die Partien befanden sich noch im Übergang von der Eröffnung zum Mittelspiel, da formierte Riemay schon das “Team Zeitnot”. Dessen Mitglieder Rainer Polzin, Christian Polster und Giorgi Giorgadze hatten früh derart ausgiebig grübeln müssen, dass ihnen für 20 und mehr Züge bis zur Zeitkontrolle 5 Minuten auf der Uhr blieben. Im Nachhinein lässt sich daran ein Grund festmachen, warum die Mitglieder des Teams in der sechsten Runde geschlossen leer ausgingen.
Schwarz kann hier 22…Lf8 ziehen, verliert kein Material, aber wird dann nur stehen können und hoffen, dass es hält. Daniel Kopylov versuchte stattdessen 22…Lxe4, was zwar aktiv aussieht, aber den Punkt g7 aufgibt und in letzter Konsequenz die Partie verlor.
Knüdel sowie seine Kaderkollegen Felix Hampel und Jan Pubantz, außerdem der polnische FM Sebastian Poltorak liebäugeln nach zwei Dritteln des Wettbewerbs mit einer IM-Norm. Knüdel ist nach Eloperformance auf Kurs, die anderen drei fast. Nun kommt es darauf an, die bisherige Leistung in den verbleibenden drei Runden zu bestätigen bzw. noch etwas auszubauen. Außerdem wird Losglück ein Faktor sein. Um eine Norm zu erzielen, bedarf es einer ausreichenden Zahl von Gegnern aus anderen Föderationen, unter denen zudem eine ausreichende Zahl von Titelträgern sein muss.
Auch hier: Weiß kann stehen und hoffen, dass es hält. Mykola Korchinskyi opferte stattdessen einen Bauern. Nach 21.Df4 Dxa2 22.Dg4+Kf8 23.h5 wäre es in der Tat riskant, auf b3 noch einen Bauern zu schlagen. Petkidis zog stattdessen kräftig 23…De2!, und von weißem Spiel war nicht mehr viel zu sehen.
Der elobeste NSV-Kaderspieler IM Anthony Petkidis denkt nach seinem Rumpelstart nicht mehr an eine GM-Norm, freut sich aber, dass er zur zweiten Hälfte des Turniers in Fahrt gekommen ist. Gegen Mykola Korchynskyi gelang ihm der zweite Sieg in Folge. Noch besser in Fahrt ist Sarah Papp, der gegen Rainer Polzin der dritte Sieg in Folge gelang. Wie sie den Drachen des Großmeisters zielstrebig bändigte und schließlich erlegte, davon könnten sich die Sagenhelden Siegfried oder Beowulf etwas abschauen.
Rechts der Drache, links die Bändigerin. | Foto: Conrad Schormann
Äußerst unglücklich lief die sechste Runde für Inna Agrest, die drauf und dran war, Hussain Besous Rochadestellung im Sturm zu erobern. Der Deutsche Meister U14 rettete sich in ein taktisches Handgemenge, das zu einem etwa ausgeglichenen Endspiel führte. Dieses Endspiel entglitt der in Deutschland lebenden Schwedin nach und nach, sodass sie am Ende statt mit einem ganzen Punkt mit einer Null dastand.
Hussain Besou überlebte erst einen Angriff, der tödlich hätte sein sollen, und gewann dann ein ausgeglichenes Endspiel. | Foto: Conrad Schormann
Vladimir Baklan hat beim Niedersachsen Masters die Führung übernommen. Mit einem Schwarzsieg in der Spitzenpartie gegen Elshan Moradiabadi hat der Ukrainer mit 4 Punkten aus 5 Partien den alleinigen ersten Platz erobert. Dahinter lauern Peter Prohaszka und Robert Ris mit jeweils 3,5 Punkten.
Vladimir Baklan, Spitzenreiter. | Foto: Conrad Schormann
Was ist stärker, die Dame oder zwei Türme? Diese ewige Frage des Schachs stand zwischen Moradiabadi, mit einer Erkältung angetreten, und Baklan nach 23 Zügen zur Debatte. In einer eher geschlossenen Stellung, in der sich die schwarzen Kräfte noch entknoten mussten, schlug das Pendel anfangs für die Dame aus. Aber je aktiver die schwarzen Türme wurden, desto weiter wendete sich das Blatt. Als schließlich beide schwarzen Türme auf der weißen Grundreihe eingedrungen waren, ließ sich Moradiabadis Stellung nicht mehr halten.
40…Taa1, und es sind zu viele schwarze Figuren, die die weiße Königsstellung im Blick haben.
Nur der ebenfalls bei 3 Punkten aus 4 Partien stehende Peter Prohaszka hätte mit Baklan gleichziehen können. Aber in seiner Partie gegen Yuryi Kuzubov sparte Prohaszka Energie für alles weitere. Die beiden Großmeister stellten acht Züge geschlossenes Katalanisch aufs Brett, dann reichten sie einander die Hand zur Punkteteilung.
Fünfeinhalb Stunden und mehr als 100 Züge gespielt, alle anderen Bretter verwaist, aber Georg Meier und Zahar Efimenko kämpfen noch. | Foto: Conrad Schormann
Die dritte GM-Partie des Tages am dritten Brett zwischen Georg Meier und Zahar Efimenko sollte die längste des Tages und des bisherigen Turniers werden. Meier spielte sich einen winzigen katalanischen Vorteil heraus, der zu einem auf dem GM-Level symbolischen Mehrbauern führte. Nach 45 Zügen stand das gute alte Turmendspiel 2 vs. 1 Bauer auf einem Flügel zur Debatte. Das ist theoretisch und auch praktisch gegen Großmeister nicht zu gewinnen, aber der Materialvorteil bringt für die meisten Spieler die gefühlte Verpflichtung mit, es zumindest zu versuchen. Meier versuchte es 128 Züge lang.
Auch Torben Knüdel und Jan Pubantz übten gut bis in die fünfte Stunden Turmendspiel. Mit unentschiedenem Ausgang.
Es geht in Wolfsburg ja nicht nur um Preisgeld und Elopunkte. Mehr als die Hälfte des Feldes beim Niedersachsen Masters spekuliert auf Normen für den Titel des Internationalen Meisters oder Großmeisters. Noch ist es zu früh, den Rechenschieber zu konsultieren, um die Chancen von Spielerinnen und Spielern zu ermitteln. Aber eine allgemeine Einschätzung der Norm-Lage lässt sich abgeben, nun, da fünf von neun Runden absolviert sind.
Rainer Polzin (r.) zu Gast bei Schachpanda David Riemay. | Foto: Conrad Schormann
Die Einschätzung kommt von denjenigem, der sich als der wahre Lokalmatador des Feldes sieht. Rainer Polzin stammt aus Wolfsburg, der Hauptgrund, warum der seit langem in Berlin lebende Großmeister am Turnier in seiner alten Heimatstadt teilnimmt. Für eine IM-Norm sieht Polzin eine ganze Reihe von Anwärtern, stark aufspielende junge Leute, die schon etwas stärker sein dürften, als es ihre Elozahl aussagt.
Genau wegen dieser Leute hält Polzin eine GM-Norm in einem ambitionierten Feld wie diesem für enorm schwierig. Die im INNsIDE-Hotel versammelten 2200er und 2300er seien dafür zu gut und zu schwierig zu besiegen. Allenfalls dem stark aufspielenden Robert Ris traut Polzin eine Großmeisternorm zu.
Sehen so IM-Norm-Kandidaten aus? Giorgi Giorgadze (r.) und Torben Schulze (M.) unmittelbar nach ihrem Remisschluss mit Schiedsrichter Matthias Dämmig. | Foto: Conrad Schormann
Dass der Deutsche Meister U14 Hussain Besou Wolfsburg voraussichtlich ohne Norm verlassen wird, dafür hat Polzin in der fünften Runde mit einem klaren Sieg gesorgt. Die einseitige Partie ergab sich, nachdem der mit einer Doppelnull gestartete, aber zuletzt mit 1,5/2 zu Buche stehende Besou die Partie in einem für ihn ungesunden Maße verschärfte. Nachdem der 13-Jährige in der Eröffnung seinen König ins offene Feld lang rochiert hatte, lief die Partie nur noch in eine Richtung.
GM-Norm Kandidat? Robert Ris‘ Blick geht nach oben. | Foto: Henning Lüders
Der von Polzin gelobte Robert Ris hat sich auf überzeugende Weise in eine Position gebracht, von der aus der Turniersieg möglich ist. Ris erarbeitete sich per Bauernopfer einigen Druck und einen Vorpostenspringer auf e5 gegen Mykola Korchynskyi. Bald folgte ein Durchbruch am Königsflügel, und nach 28 Zügen war es schon vorbei.
Sarah Papps typische Denkerpose. | Foto: Henning Lüders
Sarah Papp muss über IM-Normen nicht nachdenken. Den zweithöchsten Titel im Schach hat sie schon. Jetzt hat sie den zweiten vollen Punkt in Folge nach der zweiten überzeugenden strategischen Leistung eingeheimst. Ein taktischer Aussetzer von Nikita Nechitaylo in schwieriger Lage beschleunigte die Angelegenheit.
Zufrieden ist Anthony Petkidis noch nicht, aber immerhin im Turnier angekommen. | Foto: Conrad Schormann
IM Anthony Petkidis hatte zumindest zu Beginn des Wettbewerbs Anlass, über eine GM-Norm nachzudenken. Zu Ostern beim Grenke-Open in Karlsruhe war er schon ganz nahe dran. Aber in Wolfsburg lief es bislang bescheiden für Petkidis. In der fünften Runde gelang ihm gegen GM Andrey Sumets, sein nominell bester Gegner bislang, der erste Sieg. Zufrieden ist Petkidis deswegen noch lange nicht, “aber jetzt geht es wieder so halbwegs”.
Mit dem Springer auf f6 zu nehmen, ist der strukturellen Integrität wegen natürlich in Ordnung. Mit dem Bauern zu nehmen, wie es Agrest tat, ist etwa gleichwertig.
Am unteren Ende der Tabelle hat Inna Agrest die rote Laterne nicht abgegeben, aber nach einem sicheren Schwarzremis gegen Dennes Abel teilt sie sich das Tabellenende mit Nechitaylo. Abel ist es mit dieser Punkteteilung nach drei Nullen in Folge gelungen, „die Blutung zu stoppen“, wie IM Lukas Winterberg in seiner Zusammenfassung des Tages konstatierte.
Montags ab 18.45 Uhr gibt FIDE-Meister Christian Polster Fortgeschrittenentraining beim HSK Lister Turm. Am heutigen Montag fällt das Training aus, Polster spielt beim Niedersachsen Masters in Wolfsburg. Aber als seine Vereinskameraden am Montagmorgen Polsters Kurzremis gegen Torben Schulze in der vierten Runde sahen, erreichten ihn sogleich neckische Nachfragen aus Hannover. Ob er nicht die fünfte Runde genauso schnell abhaken könne? Dann wäre es möglich, bis 18.45 Uhr nach Hannover zum Training zu kommen.
Christian Polster (M.) und Torben Schulze (r.) im Stream bei David Riemay. | Foto: Conrad Schormann
Zwar wird Polster nach seinem Kurzremis in der fünften Runde auf seinen Vereinskameraden Felix Hampel treffen, gleichwohl ist eine weitere Kurzpartie unwahrscheinlich. Im Stream bei David Riemay ließen Polster und Schulze, wahrscheinlich stellvertretend für alle NSV-Kaderspieler, ihren Respekt vor dem Turnier und dem erlesenen Feld der Gegenspieler durchblicken. Es sei eine Ehre, mitspielen zu dürfen.
Dass die Niedersachsen im Angesicht von acht Großmeistern in Ehrfurcht erstarren, steht nicht zu befürchten. Sie haben ja beim einjährigen Bundesliga-Abenteuer von Lister Turm Erfahrung mit starken Gegnern gemacht. Mit einem Eloschnitt von 2580 sei er während der Bundesligasaison 23/24 konfrontiert gewesen, berichtet Schulze. Nach dieser Erfahrung ist er schachlich nicht so schnell einzuschüchtern.
Ergebnisse der vierten Runde.
Vor der Halbzeit beim Niedersachsen Masters spielen die Lokalmatadore ordentlich mit, aber nicht ganz vorne. Aus dem Duo der Tabellenführer ist nach der vierten Runde ein Trio geworden. Die beiden Spitzenreiter Elshan Moradiabadi und Peter Prohaszka remisierten, sodass sich den Verfolgern die Chance eröffnete, mit einem Sieg aufzuschließen.
Vladimir Baklan, Co-Spitzenreiter. | Foto: Henning Lüders
Vladimir Baklan nutzte die Gelegenheit. Aus seinem günstigen Endspiel gegen FM Sebastian Poltorak knetete der ukrainische Großmeister dank aktiverer Figuren und eines wirkungsvoll blockierten gegnerischen Isolanis einen vollen Punkt heraus. Baklan spielt in der fünften Runde gegen Moradiabadi, die erste von drei GM-vs-GM-Partien an den ersten drei Brettern.
Zum Angucken anklicken: das wilde Gefecht Korchynskyi vs. Meier.
Supertalent Mykola Korchynskyi verpasste die Gelegenheit, sich ganz oben einzureihen. Gegen Georg Meier befolgte der Deutsche U14-Vizemeister das beste Rezept gegen nominell deutlich stärkere Spieler: Verwicklungen anzetteln und dem 2600er Chancen geben zu straucheln. Korchynskyi verzichtete auf die Rochade, warf seine Königsflügelbauern nach vorne und war zeitweise nahe dran, sich einen GM-Skalp zu sichern. Die wildeste Partie der Runde mündete in ein Endspiel, das nach einigen Verwicklungen unentschieden endete.
Sarah Papp besiegte Dennes Abel. | Foto: Henning Lüders
Sarah Papp, “stärkste Schachspielerin Niedersachsens” laut NSV-Präsident Michael S. Langer und eine von zwei Frauen im Feld, sicherte sich gegen NSV-Kaderspieler Dennes Abel ihren ersten vollen Punkt. In der Eröffnung gewann sie einen Bauern, später eine Qualität, dann sogar einen ganzen Turm. Riemay pries im Stream die Zähigkeit, mit der Abel Ressourcen aufspürte und seine Ruine 64 Züge lang verteidigte, aber zu retten war die Partie nicht.
Nikita Nechitaylo hat die drei Niederlagen zum Auftakt weggesteckt. | Foto: Conrad Schormann
Alle 24 haben jetzt Zählbares auf dem Punktekonto. Nach drei Nullen zum Auftakt gewann Nikita Nechitaylo mit den schwarzen Steinen eine stark geführte Partie gegen Inna Agrest. Die Schwedin findet sich vorerst mit einem halben Zähler am Tabellenende wieder.
Die dritte Runde brachte die erste Partie zwischen Großmeistern. Der Vergleich zwischen Tabellenführer Peter Prohaszka und Vladimir Baklan endete nach wenig aufregendem Verlauf mit einem frühen Remisschluss in ausgeglichener Stellung. Damit hat Prohaszka erstmals im Turnier nicht gewonnen und dadurch die alleinige Führung eingebüßt. Elshan Moradiabadi nutzte die Gelegenheit aufzuschließen. Diese beiden führen jetzt das Feld mit 2,5 Punkten an. In der vierten Runde am Montag ab 9 Uhr treffen sie aufeinander.
Die Ergebnisse der dritten Runde
Der Sieg Moradiabadis, der erfolgreich dem Jetlag trotzt, bedeutet für den blitzgestarteten Daniel Kopylov die erste Niederlage des Turniers. Danach hatte es lange nicht ausgesehen. Kopylov stibitzte ausgangs der Eröffnung einen Bauern, zwischenzeitlich gar zwei, für die der US-Großmeister allenfalls vage Kompensation anmelden konnte. Aber während Moradiabadi seine Kräfte immer besser ins Spiel brachte, fand Kopylov weder Koordination noch eigene Möglichkeiten. Schließlich erlag er dem in der Luft liegenden Überfall.
Kein Grund, skeptisch zu gucken: Elshan Moradiabadi, Tabellenführer. | Foto: Henning Lüders
26.Sg5+ war nur ein Strohfeuer. Nach 26…Sxg5 nebst …Txf2 ist es aus.
Yuryi Kuzubov, Kopylovs Opfer aus der ersten Runde, hat mit seinem zweiten Sieg seine Aufholjagd eingeläutet und noch dazu gegen Dennes Abel den Zug der dritten Runde aufs Brett gestellt. In der zweiten Weißpartie in Folge vermochte Abel mit den weißen Steinen nichts herauszuholen. Er geriet in einen Königsangriff, den Kuzubov mit 27…Dg3! Nebst Matt in 7 krönte.
27…Dg3!, der Zug der Runde
Georg Meier verpasste die Gelegenheit, mit den Tabellenführern gleichzuziehen. Mit den weißen Steinen kam Meier gegen NSV-Talent Giorgi Giorgadze nicht über einen halben Punkt hinaus, obwohl ihm sein Katalane wie in der Partie gegen Hussain Besou wieder gute Dienste zu leisten schien. Aber in dieser Partie brach Meier nicht durch, fand nicht immer den präzisesten Zug, während Giorgadze sich zäh und letztlich erfolgreich verteidigte.
Eröffnung nicht gut gelaufen, trotzdem die Partie gegen Georg Meier gehalten: Giorgi Giorgadze, 2,5/3, trifft jetzt auf Daniel Kopylov. | Foto: Henning Lüders
Den Coup der dritten Runde landete Mykola Korchynskyi gegen Großmeister Andrey Sumets. Gegen das zu ambitionierte Vorgehen von Sumets landete Korchynskyi einen Konter. Aus den folgenden Schwierigkeiten vermochte sich Sumets nicht zu befreien. Zum Schluss gab Korchynskyi kühl seine Mehrfigur zurück, um die Partie in ein gewonnenes Bauernendspiel abzuwickeln.
27.g4? lief in den Konter 27…e4!, nach dem Schwarz am Drücker war.
Als einer der NSV-Trainer besteht Zahar Efimenkos Auftrag darin, die niedersächsischen Kaderspieler besser zu machen. Im Niedersachsen Masters macht er bislang deren Elozahl besser. Das Drittrunden-Unentschieden gegen Torben Knüdel markiert das dritte Unentschieden des Großmeisters in Folge gegen einen Spieler des NSV-Kaders.
Zahar Efimenko (rechts) versorgt den NSV-Kader mit Elo, Yuriy Kuzubov (links) hat sich von seiner Auftaktschlappe erholt. | Foto: Conrad Schormann
Unglücksrabe der dritten Runde ist Sarah Papp. Gegen Felix Hampel spielte sie eine ambitioniert vorgetragene Angriffspartie, erkämpfte sich entscheidenden Vorteil, aber strauchelte im taktischen Durcheinander. Unglücklich wird auch Nikita Nechitaylo den Turniersaal verlassen haben. Im Duell der 14-Jährigen entglitt ihm seine Partie gegen Hussain Besou. Nechitaylo bleibt vorerst bei null Punkten, Besou meldet sich zurück im Turnier.
30…Tg6! wäre der Ausknipser gewesen. 31.Dxd7 scheitert an 31…Sxh3+ 32.Kh1 Tg1#.
Schon nach zwei Runden hat das Niedersachsen Masters den ersten alleinigen Tabellenführer. Großmeister Peter Prohaszka gewann nach seinem Auftaktsieg gegen Mykola Korchinskyi auch seine zweite Partie gegen Dennes Abel. Als einziger der 24 Spielerinnen und Spieler steht der Ungar nun mit 2 Punkten aus 2 Partien ganz oben. Dahinter lauern 7 Spieler mit 1,5 Punkten.
Der Livestream von Runde 2 mit CM Justus Bargsten, Patrick Werner und den Gästen Georg Meier, Elshan Moradiabadi sowie Torben Knüdel:
Spitzenreiter: Peter Prohaszka. | Foto: Conrad Schormann
Aus der Eröffnung heraus hatte Prohaszka gegen Abel bequemes Spiel, das umso bequemer wurde, als Abel versuchte, die Stellung abzuschließen, um das schwarze Läuferpaar zu neutralisieren. Dadurch ergaben sich auf beiden Flügeln sowie im Zentrum Felderschwächen und Einfallschneisen. Bald vermochte Abel all die Löcher in seiner Bastion nicht mehr zu stopfen.
28.f4 war der weiße Versuch gewesen, dem schwarzen Läuferpaar die Wirkung zu nehmen. Aber nach 28…Le8 brennt es auf beiden Flügeln und in der Mitte noch dazu. …Lh5 liegt in der Luft, …La4 auch, und auf d3 wird eher früher als später ein schwarzer Turm einsteigen.
Das straffe Programm mit Doppelrunden und morgendlichem Rundenbeginn um 9 Uhr führte am Sonntagmorgen in Wolfsburg zu einigen schnellen, taktischen Punkteteilungen. Unter denen, die friedlich gestimmt den Turniersaal betraten, war Daniel Kopylov, der seinem Erstrundensieg über einen GM nicht unbedingt einen zweiten folgen lassen wollte. Es zeigte sich, auch Zahar Efimenko auf der anderen Seite des Brettes war nicht nach Kampf zumute. Es war noch nicht einmal die Ausgangsstellung des soliden, remisträchtigen Abtausch-Grünfeldinders erreicht, da bot Efimenko remis, Kopylov akzeptierte.
Kaum hatte die Partie zwischen Zahar Efimenko und Daniel Kopylov begonnen, war sie schon vorbei. | Foto: Conrad Schormann
Im Duell des höchstbewerteten NSV-Kaderspielers gegen den zweitniedrigstbewerteten triumphierte der Außenseiter im Stil eines abgezockten Profis. Giorgi Giorgadze (Elo 2232) reichte ein Fehler von Anthony Petkidis (Elo 2436), um ein etwa ausgeglichenes Endspiel in ein gewonnenes zu verwandeln. Petkidis hatte eine Invasion gegnerischer Truppen in sein Lager zugelassen, die die Partie bald entschied.
Nach 28.Tbe1 ist für Schwarz guter Rat teuer. Weiß droht, auf der sechsten und auf der siebten Reihe einzusteigen.
Mit einem Ausrufezeichen hat sich Torben Knüdel zurückgemeldet. Der NSV-Leistungssportreferent schaffte es mit den schwarzen Steinen gegen Hussain Besou, in einem Anti-Marshall trotzdem ein Marshall-Gambit zu spielen. Für den Bauern bekam er prächtiges Spiel. Mit dem Knüllerzug der Runde beendete Knüdel das Gefecht nach nur 21 Zügen.
21…Se3! und aus. Schwarz plant …De4 nebst matt, und noch dazu droht …Sc2, und der im Eck gefangene Turm auf a1 geht verloren.
Ein Turnier mit regionalem Charakter bringt mit sich, dass regelmäßig Freunde und Kaderkollegen aufeinandertreffen. Am Sonntagmorgen ruhte für vier Stunden die Freundschaft der Supertalente Nikita Nechitaylo und Mykola Korchynskyi, die es nach Auftaktniederlagen nun miteinander zu tun bekamen.
Mykola Korchynskyi gelang im Duell der Freunde und Trainingspartner ein Schwindel, der eine kritische Partie gewann. | Foto: Conrad Schormann
Eigentlich hatte Nechitaylo mit den schwarzen Steinen die Nase vorn, nachdem Korchynskyi für sein zu kühnes Figurenopfer nicht genug Spiel bekommen hatte. Mit dem ihm verbliebenen Freibauern versuchte Korchynskyi so gut wie möglich, Probleme zu stellen – und wurde belohnt. Nechitaylo verrechnete sich. Was als Gewinnabwicklung geplant war, drehte die Partie in die andere Richtung.
Mit der Zeitkontrolle gelang es Vladimir Baklan die Partie gegen Felix Hampel an sich zu reißen. Schwarz muss die Dame geben. Hampel verteidigte das technisch anspruchsvolle Endspiel über 60 Züge lang, aber musste am Ende die Waffen strecken.
19…h5, und Schwarz steht sehr in Ordnung. Aber Christian Polster fand eine Notbremse in Form von 20.Txh5!, das ein Remis erzwingt.
6,5 Punkte aus 7 Partien, überlegener Turniersieger. Das war die Bilanz von Daniel Kopylov Anfang November beim Open in Leer. Jetzt macht Kopylov in Wolfsburg weiter, wo er in Leer aufgehört hat. Mit einem Sieg über Großmeister Yuriy Kuzubov ist Kopylov ins Niedersachsen Masters gestartet. “Den Eloriesen umgenietet”, kommentierte IM Lukas Winterberg in der abendlichen Zusammenfassung der ersten Runde.
Die Ergebnisse der ersten Runde:
Livestream der ersten Runde mit CM Justus Bargsten, Patrick Werner sowie den Gästen GM Georg Meier und Torben Schulze:
Das INNSiDE-Hotel im Herzen Wolfsburgs markiert jetzt für eine Woche das niedersächsische Schachzentrum. NSV- und VW-Fahnen vor dem Eingang kündigen Besuchern an, wie es drinnen zugeht. Die knapp 200 Spielerinnen und Spieler des parallel zum Masters laufenden NSV-Grand-Prix haben mit ihren Brettern das Foyer besetzt. Unweit davon in den Veranstaltungsräumen laufen die Turniere, neben Masters und Jubiläums-Grand-Prix auch die Endrunde des niedersächsischen Dähnepokals.
Der NSV-Jubiläums-Grand-Prix in Wolfsburg. | Foto: Conrad Schormann
Den Verantwortlichen des Hotels ist das sehr recht so. Enrico Noack, Director Operations Region East der Meliá-Gruppe, sowie Annika Uiselt, Assistant Manager des INNSiDE und des benachbarten Centrum-Hotels, hießen den Schachtross zur Eröffnung des Masters willkommen. Er habe früher selbst im Verein gespielt, verriet Noack bei dieser Gelegenheit. Als ihn die Anfrage von NSV-Präsident Michael S. Langer erreicht habe, die Jubiläumsturniere in Wolfsburg zu beherbergen, habe er sofort und sehr gerne zugesagt. Seine Kollegin Uiselt beendete zur Eröffnung des Masters das Rätselraten, das manche Teilnehmer seit Tagen beschäftigt hatte. Gegen wen sie spielen, hatten sie anhand der Setzliste ausrechnen können. Aber mit welcher Farbe? Das offenbarte sich erst, als Uiselt aus der Hand von Hauptschiedsrichter Stefan Ewert einen schwarzen Bauern zog. Damit stand fest, Kuzubov würde am ersten Brett die schwarzen Steine gegen Kopylov führen – mit dem bekannten Ergebnis, siehe oben.
Eröffnung des Niedersachsen Masters: (von links) Annika Uiselt (Meliá), Michael S. Langer (NSV-Präsident), Stefan Ewert (Hauptschiedsrichter) und Enrico Noack (Meliá). | Foto: Conrad Schormann
Am zweiten führte Georg Meier die weißen gegen Hussain Besou, eine Gelegenheit, in der nominell interessantesten Partie des Tages dem Youngster eine katalanische Lektion zu erteilen. Der jüngste Nationalspieler jemals hatte gegen den Europameister von 2011 aus der Eröffnung heraus wenig zu bestellen. Meier erklärte das Geschehen mit einem Wort: “Erfahrung”. Besou (13) habe sich in seiner kurzen Schachkarriere noch nicht die Eröffnungsfeinheiten aneignen können, die für einen langjährigen Profi zum Handwerkszeug gehören. Meier spielte einen unschuldig anmutenden achten Zug, den er nie zuvor gespielt hatte, Besou fand nicht den richtigen Aufbau und stand sogleich mit dem Rücken zur Wand. Schon nach 16 Zügen sei die Partie im höheren Sinne entschieden gewesen, erklärt Meier.
Hussain Besou bekam zum Masters-Auftakt eine katalanische Lektion erteilt. | Foto: Henning Lüders
NSV-Kaderspieler Torben Schulze hatte vor dem Turnier beim Studium möglicher Gegenspieler festgestellt: “Entweder du bekommst einen Zehnjährigen oder einen Großmeister mit 2600.” Zum Auftakt war es die zweite Option. Schulze musste gegen Großmeister Vladimir Baklan ran, Elorekord 2656. Es wurde die kürzeste Partie des Tages, dreimalige Stellungswiederholung nach 20 Zügen. Schulze war natürlich nicht entgangen, dass die Friedfertigkeit seines großmeisterlichen Gegenübers mit dessen bescheidener Stellung auf dem Brett zusammenhing. Trotzdem ließ er die Stellungswiederholung geschehen, Respekt vor einem Großmeister, dessen Fähigkeiten Schulze nach mancher gemeinsamer Trainingssession nur zu gut einzuschätzen weiß.
Ein sehr ordentlicher Turnierstart für die NSV-Kaderspieler Torben Schulze (links) und Jan Pubantz. Beide trotzten großmeisterlichen Gegnern einen halben Punkt ab. | Foto: Conrad Schormann
Dazu kam aus Sicht des Lokalmatadors das Handicap eines Kaltstarts nach einer intensiven Arbeitswoche bei Turniersponsor VW, die kaum Gelegenheit bot, das Gehirn auf Schach zu trimmen. Schulze hat beim Studium möglicher Gegenspieler noch etwas festgestellt. Das Turnier sei so stark, “ich kann hier Letzter werden”. Ein Start mit einem Unentschieden gegen einen der Favoriten macht dieses bedrohliche Szenario unwahrscheinlich.
Impressionen vom Auftakt:
CM Justus Bargsten bei der Arbeit. Bargsten wird auch am zweiten Turniertag das Publikum durchs Geschehen führen. Am dritten übernimmt Schachpanda David Riemay. | Foto: Conrad Schormann
Der Schulpflicht wegen hing Giorgi Giorgadzes Teilnahme zeitweise am seidenen Faden. In der ersten Runde setzte er Großmeister Rainer Polzin einen Rubinstein-Franzosen vor und remisierte ohne allzu große Probleme. | Foto: Conrad Schormann
Im Open machten zwei neue Schachfreunde die unangenehme Erfahrung, dass ein Handy in der Hosentasche, ob ausgeschaltet oder nicht, zum Partieverlust führt. Sowas passierte den alten und jungen Hasen im Masters natürlich nicht. Aber ein Schachmeister, sein Name sei verschwiegen, machte die Erfahrung, dass es leichter ist, sein Handy nach der Partie wiederzufinden, wenn es vor der Runde in der dafür vorgesehenen Kiste abgelegt wird. | Foto: Conrad Schormann
NSV-Leistungssportreferent Torben Knüdel hat erheblich dazu beigetragen, dass das 100-jährige Verbandsjubiläum im Zeichen des Spitzensports steht. Knüdel startete mit einer Niederlage gegen Robert Ris in sein Spitzenturnier. Anthony Petkidis (l.), mit 2436 Elo der höchstbewertete NSV-Kaderspieler, trennte sich von seinem Kaderkollegen Christian Polster unentschieden. | Foto: Conrad Schormann
Sarah Papp (l.) und Inna Agrest wehrten sich gegen nominell favorisierte Gegner nach Kräften, aber starteten jeweils mit einer Null ins Turnier. In der zweiten Runde treffen sie aufeinander. | Foto: Henning Lüders
Robert Ris im Kampfmodus. | Foto: Conrad Schormann