Niedersächsischer
Schachverband
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DSB-Kongress 2025: »Freakshow in Paderborn«
Montag, 2. Juni 2025 von Benjamin Löhnhardt

Mit diesen Worten eröffnete Andreas Jagodzinsky (Vizepräsident, NW) den ordentlichen Bundeskongress 2025 des Deutschen Schachbundes. Er ergänzte sichtlich erleichtert, dass sich diese Schlagzeile aus dem Internet nicht auf den DSB-Kongress beziehe. Diese Erleichterung dürfte im Laufe der folgenden beiden Sitzungstage jedoch geschwunden sein – ebenso wie beim niedersächsischen Delegationsteam, bestehend aus Michael S. Langer (Präsident), Bernd Laubsch (Geschäftsführer), Dirk Rütemann (Sportdirektor) und Niklas Prahl (Verbandsentwickler). Denn es wurde zunehmend unklar, ob die Schlagzeile nicht doch treffender war, als zunächst angenommen.

Die Reaktionen reichten von Überraschung bis Entsetzen – sowohl über die Ereignisse vor den Delegierten als auch darüber, dass trotz eines digitalen Abstimmungssystems auch mit Stimmzetteln und händischer Auszählung gearbeitet wurde. (Quelle: NSV)

Viel Applaus von den Delegierten erhielt Andreas Jagodzinsky für seinen Appell »Der DSB möge sich weniger mit Satzungsfragen beschäftigen und inhaltlicher werden« – Zustimmung kam auch aus Niedersachsen. Leider widersprach die wiederholt hohe Anzahl an nicht richtungsweisenden Anträgen dem vorrangegangenen Applaus. Humoristisch zusammengefasst: »Spielt denselben Song nochmal! Alles klar, denselben Song und los!«. Eine Ausnahme bildete die überfällige Korrektur der Regelung, dass Sachthemen ausschließlich geheim abgestimmt werden mussten – ein Missstand, der beim außerordentlichen Kongress 2024 in Neuwied Praxis wurde. Die andere Ausnahme ist ein vom Landesverband Sachsen-Anhalt initiierter und von Niedersachen erweiterter Antrag, die Beitragsstruktur für verschiedenste Formen der Mitgliedschaft zu öffnen.

Bei den Wahlen stand der Zweikampf um die Spitze des DSB zwischen Amtsinhaberin Ingrid Lauterbach (Präsidentin, DSB) und Paul Meyer-Dunker (Präsident,  BE) im Fokus. In einer knappen Wahl konnte Ingrid Lauterbach sich – und in der Folge auch Prof. Dr. Jürgen Klüners (Vizepräsident Sport, DSB) – durchsetzen. Der kommissarisch eingesetzte Alexander von Gleich (Vizepräsident Finanzen, DSB) wurde durch den Kongress deutlich bestätigt und ergänzt mit dem neu ins Amt gewählten Jannik Kiesel (Vizepräsident Verbandsentwicklung, DSB) das zukünftige DSB-Präsidium. Wir gratulieren zu den gewonnenen Wahlen und wünschen uns, dass die stabilisierenden Entwicklungen der letzten beiden Jahre fortgesetzt werden.

Ein Präsent für Dirk Rütemann – zwar nicht für sein langjähriges Engagement im DSB, doch über die Aufmerksamkeit zu seinem 50. Geburtstag freute er sich sichtlich. (Quelle: NSV)

Auch wenn Paul Meyer-Dunker nicht zum DSB-Präsidenten gewählt wurde, hat er mit seinen Bemühungen den Weg für viele neue, junge Gesichter in die Referate des DSB geebnet. Für diesen Einsatz danken wir ausdrücklich – verbunden mit der Hoffnung, dass daraus frische Impulse und neue Akzente hervorgehen. Besonders erfreulich: Die beiden niedersächsischen Kandidaten Andreas Klein (FIDE-Rating-Officer, DSB) und Dirk Rütemann (Beisitzer im Bundesturniergericht, DSB) wurden mit hervorragenden Zustimmungswerten in ihren Ämtern bestätigt. Vor diesen fantastischen Ergebnissen ziehen wir unseren Hut und bedanken uns wertschätzend für ihr Engagement.

Erschüttert mussten wir feststellen, dass die Mehrheit der Delegierten den Haushalt lediglich oberflächlich zur Kenntnis nahm. Die nötige Motivation, Zeit und Kompetenz, um sich mit dem komplexen Zahlenwerk auseinanderzusetzen, blitzte nur vereinzelt auf. Wir haben uns diesem Thema intensiv gewidmet und loben den konstruktiven Austausch mit Alexander von Gleich im Vorfeld des Kongresses. Wir warnten 2023 auf dem DSB-Kongress in Berlin vor einer »deutlichen Beitragserhöhung mit unklarem Verwendungszweck«. Im modernen Tagungshotel in pittoresker Lage mussten wir miterleben, wie diese Beitragsgelder nonchalant an unterschiedlichen Stellen verplant wurden. Darüber hinaus wurde die Tür für weitere Beitragserhöhungen vom DSB-Präsidium bereits geöffnet, während das ursprüngliche Ziel, einer Vermögensbildung zur Sicherung der Handlungsfähigkeit, auf frühestens 2028 vertagt wurde.

Der Ausblick vom Tagungshotel gleicht dem Zustand des DSB: weder ansprechend noch vollendet, doch die Zeichen des Wandels sind sichtbar. (Quelle: NSV)

Das niedersächsische Credo »Der Mensch steht im Mittelpunkt« haben Andreas Jagodzinsky und Jannik Kiesel in ihren Reden aufgegriffen. Wir bedauern, dass dies im DSB augenscheinlich weiterhin nicht der Fall ist. Persönliche Abrechnungen und von außen klar sichtbaren Spannungen zwischen Ehrenamtlichen sowie Spitzen gegen die Geschäftsstelle, haben zu einer unwürdigen Veranstaltung beigetragen. Trotz der vorangegangenen Absätze sind wir optimistisch, dass in naher Zukunft keine belastenden Ereignisse im Dachverband vorfallen werden, die unsere Arbeit auf Landesebene erschweren. Wir werden die künftigen Entwicklungen aufmerksam verfolgen und auf Kongressen unsere Positionen und Anliegen in gewohnter Form aktiv, konstruktiv und mit klarer Stimme vertreten. Unser Ziel bleibt dabei unverändert – einen Beitrag zu einem erfolgreichen und modernen Schachsport zu leisten.

Im Namen eures Delegationsteams
Niklas Prahl, Referent für Verbandsentwicklung

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