DEM 2025: Ein Fazit zur zweiten Teilnahme von und mit FM Christian Polster
Montag, 2. Juni 2025 von Benjamin Löhnhardt
Vom 15. bis 24. Mai fanden im Herzen Münchens die Deutschen Einzelmeisterschaften 2025 statt. Die Landeshauptstadt Bayerns bot mit Isar, Altstadt und großem Turniersaal im „Fat Cat“ eine stimmungsvolle Kulisse für die besten Schachspielerinnen und -spieler Deutschlands.
Aus Niedersachsen waren mit FM Christian Polster, Tim Sauer und Emma Oellrich drei Vertreterinnen und Vertreter in den entsprechenden Kandidatenturnieren am Start.
Nach einem ersten Interview im Vorfeld stellte sich FM Christian Polster nun erneut den Fragen des NSV – mit dem Blick zurück auf seine zweite Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft.

NSV: Christian, deine zweite Deutsche Meisterschaft liegt hinter dir. Für die überwältigende Mehrheit der Niedersachsen ist eine Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto. Welche Besonderheiten unterscheiden die Deutsche Meisterschaft für dich von anderen Turnieren?
Christian: In erster Linie, dass man schon hart für die Qualifikation gearbeitet hat, um überhaupt nur mitspielen zu dürfen – oder einfach eine Menge Glück hatte (lacht). Im Kandidatenturnier haben nur 32 Spieler mitgespielt, und alle sind hoch motiviert, ihr bestes Schach zu zeigen. Die meisten von ihnen hatten zuletzt auch eine gute Phase – wie sonst qualifiziert man sich? So hatte ich in der 3. Runde zum Beispiel einen Gegner, der im letzten Jahr mehr als 100 ELO-Punkte zugelegt hat.
Zudem gab es erheblich mehr Anti-Cheating-Maßnahmen, als man es sonst vielleicht von Turnieren gewohnt ist. Bevor man den Spielsaal betreten durfte, wurde jeder Spieler mit einem Handscanner nach elektronischen Geräten abgesucht – stichprobenartig auch noch einmal direkt nach der Partie. Antidopingkontrollen gab es ebenfalls, wobei ich mir nicht sicher bin, ob diese nur in der Meisterklasse durchgeführt wurden.
NSV: Während der Deutsche Meister in der Meisterklasse ausgespielt wird, hattest du die Chance, dich gegen 31 andere Spieler im Kandidatenturnier zu beweisen. Wie zufrieden bist du mit deinen Leistungen auf dem Brett und wie findest du den jetzigen Modus der Deutschen Meisterschaft?
Christian: Ich bin mit meinen Leistungen nur mäßig zufrieden. Am Ende stehen -4 ELO und 4 aus 9 gegen einen Gegnerschnitt von 2319. Ich bin als 19. gestartet und als 18. gelandet – um mein Ergebnis mal in Zahlen auszudrücken. Insgesamt also ziemlich erwartbar. Eine Partie fand ich besonders enttäuschend, eine andere besonders sehenswert. Insgesamt muss ich leider wieder feststellen, dass alle meine Verlustpartien dadurch zustande kamen, dass ich an irgendeinem Punkt etwas unsauber gerechnet habe – teilweise in Kombination mit zu wenig Zeit in der entscheidenden Phase.
Der jetzige Modus unterscheidet sich ja von meiner ersten Teilnahme lediglich in der Bezeichnung der beiden Turniere. Bei nationalen Meisterschaften wird die Ausländerregelung ausgesetzt, damit man Normen erspielen kann. Dadurch, dass nun das ehemalige „German Masters“ die „eigentliche DEM“ mit der Meisterklasse ist und ich nur im Kandidatenturnier gespielt habe, war es mir – und den anderen Spielern – leider nicht mehr möglich, Normen zu erspielen.
Dafür ist es Leonardo Costa gelungen, im Meisterturnier seine finale GM-Norm zu holen – Gratulation dafür! Und Vincent Keymer kann jetzt FIDE Circuit Points sammeln. Wer das genauer wissen will, muss es wohl selbst googeln (schmunzelt).
Für mich persönlich ist das natürlich schade, aber es ist ein Zeichen dafür, dass der DSB den Leistungssport stärker in den Fokus rücken will – was ich grundsätzlich gut finde.
NSV: Vincent Keymer ist im Meisterturnier dem Feld souverän enteilt. Was hast du von den besten deutschen Spielerinnen und Spielern mitbekommen?
Christian: Tatsächlich habe ich nicht viel mitbekommen, außer wenn ich im Hotelzimmer die Ergebnisse des Masters gecheckt habe. Das lag daran, dass die beiden Turniere in unterschiedlichen Spielsälen ausgetragen wurden. Nachdem man einmal durch den Scanner war, durfte man den eigenen Spielsaal nicht mehr verlassen – logischerweise also auch nicht in den des Masters. Erst wenn man selbst mit seiner Partie fertig war, konnte man rüber in die „Black Box“, um zu schauen, was die Profis dort machen. Allerdings waren dann die meisten Partien auch schon vorbei oder in der Endphase.
NSV: Die Meisterschaft fand im Herzen Münchens statt – die Isar und die Altstadt in unmittelbarer Nähe. Konntest du das genießen, wenn du nicht gerade in deine Partien vertieft warst?
Christian: Ehrlich gesagt nicht allzu sehr. Ich bin häufiger mal an der Isar spazieren gegangen – auch zur Nahrungsbeschaffung (lacht). Ansonsten lag der Fokus für mich, wie bei fast jedem Schachturnier, ganz klar auf dem Schach. Die Reise in eigentlich schöne Städte ist für mich meistens eher eine Notwendigkeit als ein Sightseeing-Trip.
NSV: Ist nach der Deutschen Meisterschaft für dich auch vor der Deutschen Meisterschaft? Dein nächstes Ticket dahin kannst du dir bei der LEM 2026 sichern. Motiviert dich München, die Zeit bis zum Jahreswechsel zu nutzen, um auf eine erneute Teilnahme hinzuarbeiten?
Christian: Erst mal ist nach der DEM vor der DJEM. Dort werde ich zwar nicht mehr selbst spielen – dafür bin ich mittlerweile doch etwas zu alt –, aber ich werde hoffentlich unseren Nachwuchsspielern aus Niedersachsen dabei helfen können, ihre Erfolge dort zu feiern!
Ich hoffe, dass mir die Qualifikation zur DEM künftig öfter als nur alle sieben Jahre gelingt – wie zuletzt 2018 und jetzt 2025.Ich werde alles geben, damit mir auch im nächsten Jahr wieder der Sieg bei der LEM gelingt. Die LEM ist für mich jedes Jahr ein Highlight – schließlich habe ich beim SK Verden mit dem Schachspielen angefangen.
Neben FM Christian Polster gingen mit Tim Sauer und Emma Oellrich zwei weitere niedersächsische Talente bei den Kandidatenturnieren an den Start.

Tim Sauer, der sich durch seinen 2. Platz bei der DJEM U16 und eine starke Jugend-WM im Vorjahr qualifiziert hatte, erzielte 4 Punkte aus 9 Runden. Besonders hervorzuheben sind seine Siege gegen einen FIDE-Meister und einen Internationalen Meister. Mit einem ELO-Plus von 42 Punkten belegte er Platz 22 – ein starkes Ergebnis in einem hoch motivierten Feld.

Tim Sauer (Quelle: Frank Binding)
Emma Oellrich trat als amtierende niedersächsische Frauenlandesmeisterin im Kandidatenturnier der Frauen an. Nach einem schwierigen Start mit 0 aus 3 kämpfte sie sich beeindruckend zurück und erreichte mit 5 Punkten aus den letzten 6 Runden den 9. Platz. Mit einem ELO-Gewinn von 52 Punkten übertraf sie sogar Tim Sauer – eine beeindruckende Leistung!

Der NSV bedankt sich herzlich bei FM Christian Polster, Tim Sauer und Emma Oellrich für ihren engagierten Einsatz und die starke Repräsentation Niedersachsens bei der Deutschen Meisterschaft 2025.
Wir wünschen allen drei viel Erfolg auf dem weiteren Weg – insbesondere bei der nächsten Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft 2026 über die Landesmeisterschaften!
Nach Informationen von: Niklas Prahl
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