Niedersächsischer
Schachverband
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Kopylovs Coup zum Auftakt des Niedersachsen Masters 2024
Samstag, 16. November 2024 von Conrad Schormann

6,5 Punkte aus 7 Partien, überlegener Turniersieger. Das war die Bilanz von Daniel Kopylov Anfang November beim Open in Leer. Jetzt macht Kopylov in Wolfsburg weiter, wo er in Leer aufgehört hat. Mit einem Sieg über Großmeister Yuriy Kuzubov ist Kopylov ins Niedersachsen Masters gestartet. “Den Eloriesen umgenietet”, kommentierte IM Lukas Winterberg in der abendlichen Zusammenfassung der ersten Runde.

Die Ergebnisse der ersten Runde:

Livestream der ersten Runde mit CM Justus Bargsten, Patrick Werner sowie den Gästen GM Georg Meier und Torben Schulze:


Das INNSiDE-Hotel im Herzen Wolfsburgs markiert jetzt für eine Woche das niedersächsische Schachzentrum. NSV- und VW-Fahnen vor dem Eingang kündigen Besuchern an, wie es drinnen zugeht. Die knapp 200 Spielerinnen und Spieler des parallel zum Masters laufenden NSV-Grand-Prix haben mit ihren Brettern das Foyer besetzt. Unweit davon in den Veranstaltungsräumen laufen die Turniere, neben Masters und Jubiläums-Grand-Prix auch die Endrunde des niedersächsischen Dähnepokals.

Der NSV-Jubiläums-Grand-Prix in Wolfsburg. | Foto: Conrad Schormann

Den Verantwortlichen des Hotels ist das sehr recht so. Enrico Noack, Director Operations Region East der Meliá-Gruppe, sowie Annika Uiselt, Assistant Manager des INNSiDE und des benachbarten Centrum-Hotels, hießen den Schachtross zur Eröffnung des Masters willkommen. Er habe früher selbst im Verein gespielt, verriet Noack bei dieser Gelegenheit. Als ihn die Anfrage von NSV-Präsident Michael S. Langer erreicht habe, die Jubiläumsturniere in Wolfsburg zu beherbergen, habe er sofort und sehr gerne zugesagt.
Seine Kollegin Uiselt beendete zur Eröffnung des Masters das Rätselraten, das manche Teilnehmer seit Tagen beschäftigt hatte. Gegen wen sie spielen, hatten sie anhand der Setzliste ausrechnen können. Aber mit welcher Farbe? Das offenbarte sich erst, als Uiselt aus der Hand von Hauptschiedsrichter Stefan Ewert einen schwarzen Bauern zog. Damit stand fest, Kuzubov würde am ersten Brett die schwarzen Steine gegen Kopylov führen – mit dem bekannten Ergebnis, siehe oben.

Eröffnung des Niedersachsen Masters: (von links) Annika Uiselt (Meliá), Michael S. Langer (NSV-Präsident), Stefan Ewert (Hauptschiedsrichter) und Enrico Noack (Meliá). | Foto: Conrad Schormann

Am zweiten führte Georg Meier die weißen gegen Hussain Besou, eine Gelegenheit, in der nominell interessantesten Partie des Tages dem Youngster eine katalanische Lektion zu erteilen. Der jüngste Nationalspieler jemals hatte gegen den Europameister von 2011 aus der Eröffnung heraus wenig zu bestellen. Meier erklärte das Geschehen mit einem Wort: “Erfahrung”.
Besou (13) habe sich in seiner kurzen Schachkarriere noch nicht die Eröffnungsfeinheiten aneignen können, die für einen langjährigen Profi zum Handwerkszeug gehören. Meier spielte einen unschuldig anmutenden achten Zug, den er nie zuvor gespielt hatte, Besou fand nicht den richtigen Aufbau und stand sogleich mit dem Rücken zur Wand. Schon nach 16 Zügen sei die Partie im höheren Sinne entschieden gewesen, erklärt Meier.

Hussain Besou bekam zum Masters-Auftakt eine katalanische Lektion erteilt. | Foto: Henning Lüders

NSV-Kaderspieler Torben Schulze hatte vor dem Turnier beim Studium möglicher Gegenspieler festgestellt: “Entweder du bekommst einen Zehnjährigen oder einen Großmeister mit 2600.” Zum Auftakt war es die zweite Option. Schulze musste gegen Großmeister Vladimir Baklan ran, Elorekord 2656. Es wurde die kürzeste Partie des Tages, dreimalige Stellungswiederholung nach 20 Zügen.
Schulze war natürlich nicht entgangen, dass die Friedfertigkeit seines großmeisterlichen Gegenübers mit dessen bescheidener Stellung auf dem Brett zusammenhing. Trotzdem ließ er die Stellungswiederholung geschehen, Respekt vor einem Großmeister, dessen Fähigkeiten Schulze nach mancher gemeinsamer Trainingssession nur zu gut einzuschätzen weiß.

Ein sehr ordentlicher Turnierstart für die NSV-Kaderspieler Torben Schulze (links) und Jan Pubantz. Beide trotzten großmeisterlichen Gegnern einen halben Punkt ab. | Foto: Conrad Schormann

Dazu kam aus Sicht des Lokalmatadors das Handicap eines Kaltstarts nach einer intensiven Arbeitswoche bei Turniersponsor VW, die kaum Gelegenheit bot, das Gehirn auf Schach zu trimmen. Schulze hat beim Studium möglicher Gegenspieler noch etwas festgestellt. Das Turnier sei so stark, “ich kann hier Letzter werden”. Ein Start mit einem Unentschieden gegen einen der Favoriten macht dieses bedrohliche Szenario unwahrscheinlich.

Impressionen vom Auftakt:

CM Justus Bargsten bei der Arbeit. Bargsten wird auch am zweiten Turniertag das Publikum durchs Geschehen führen. Am dritten übernimmt Schachpanda David Riemay. | Foto: Conrad Schormann

Der Schulpflicht wegen hing Giorgi Giorgadzes Teilnahme zeitweise am seidenen Faden. In der ersten Runde setzte er Großmeister Rainer Polzin einen Rubinstein-Franzosen vor und remisierte ohne allzu große Probleme. | Foto: Conrad Schormann

Im Open machten zwei neue Schachfreunde die unangenehme Erfahrung, dass ein Handy in der Hosentasche, ob ausgeschaltet oder nicht, zum Partieverlust führt. Sowas passierte den alten und jungen Hasen im Masters natürlich nicht. Aber ein Schachmeister, sein Name sei verschwiegen, machte die Erfahrung, dass es leichter ist, sein Handy nach der Partie wiederzufinden, wenn es vor der Runde in der dafür vorgesehenen Kiste abgelegt wird. | Foto: Conrad Schormann

NSV-Leistungssportreferent Torben Knüdel hat erheblich dazu beigetragen, dass das 100-jährige Verbandsjubiläum im Zeichen des Spitzensports steht. Knüdel startete mit einer Niederlage gegen Robert Ris in sein Spitzenturnier. Anthony Petkidis (l.), mit 2436 Elo der höchstbewertete NSV-Kaderspieler, trennte sich von seinem Kaderkollegen Christian Polster unentschieden. | Foto: Conrad Schormann

Sarah Papp (l.) und Inna Agrest wehrten sich gegen nominell favorisierte Gegner nach Kräften, aber starteten jeweils mit einer Null ins Turnier. In der zweiten Runde treffen sie aufeinander. | Foto: Henning Lüders

Robert Ris im Kampfmodus. | Foto: Conrad Schormann

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