Niedersächsischer
Schachverband
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LEM 2009 …ein Bericht von Ralf Mulde
Freitag, 9. Januar 2009 von Michael Gründer

Funktionäre können kein Schach spielen

Dieser uralte, bestimmt schon seit Steinitz geltende Leitsatz fand sich auch in der wunderbar organisierten Landeseinzelmeisterschaft des Niedersächsischen Schachverbandes (NSV) bestätigt. Der Berichterstatter zählt noch zu dieser Garde und machte keine Ausnahme.

Deshalb trat er auch nur im Open an, weil der die Partien der wahren Meister noch nicht einmal verstehen konnte und will deshalb auch nur darüber ein paar Worte schreiben und dem Leser einfach verschweigen, dass Nikolas Lubbe (DWZ 2300) mit 7,0 Punkten aus 9 Partien das Meisterturnier vor FM Alexander Markgraf (2432) und FM Stefan Breuer (2286), beide 6,5 Punkte, gewann….


Das Hotel „Niedersachsenhof“ liegt in Verden in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Die Stadt bildet einen ungefähren Mittelpunkt des Landesverbandes, ist verkehrlich gut erreichbar, weist eine recht preisgünstige Restauration und nettes Personal auf und wird von der Deutschen Bahn nicht nur mit Bummelanzügen angelaufen, was mit der großen Nähe zu Bremen zu tun haben könnte. Ein großer Saal und bequeme Stühle ergaben endlich mal ein ungewohnt großes Platzangebot für wirklich jeden Spieler des „Niedersachsen-Open 2009“, der hier endlich einmal wusste, wohin mit Uhr, Kaffee, Partieformular, Stift und nicht zuletzt den sich sich aufstützenden Armen. Die 169 Teilnehmer im Open und die 20 Teilnehmer im Meisterturnier waren weit besser untergebracht als es manchem kleinen Verein mit 16 Spielern in einem Mannschaftskampf gelingen kann.

Die Bremer Spieler bildeten natürlich eine der Zielgruppen des Veranstalters und die waren so freundlich, mit 22 potenziellen Mattsetzern anzurücken, aber nur den sechsten Preis zu gewinnen, der dann sogar noch nicht mal abgeholt und mithin weitergereicht wurde; insgesamt also ein deutlicher Erfolg des Veranstalters, der nach Wiederholung ruft!

Zu einem zünftigen Turnier gehören immer auch ein paar fein gewürzte Streitfälle, zu denen dann jeder der Umstehenden noch tagelang seine äußerst fachkundige Meinung zu äußern weiß; hier leider hat die Turnierleitung völlig versagt. Es gab,  empörend genug, einfach keine Streitfälle und es wurde sogar noch versäumt, dann doch wenigstens ein paar zu inszenieren. Nunja, so man hofft man hier eben auf das nächste Jahr.

Nur auf den ersten Blick etwas unausgewogen erschien einem der Kaffee- und der Mineralwasser-Tarif. Andererseits muss jedermann klar sein, dass sich so eine Veranstaltung, die einen großen Saal mitten in der Kohlsaison für eine glatte Woche blockiert, für die Gastronomie rechnen muss und dass dafür mindestens eine attraktive  Mitarbeiterin ständig beschäftigt werden muss. Ob es an der lag, dass mancher Funktionär zumindest etwas von „war immer mal abgelenkt“ murmeln konnte, wenn man ihn auf die eigene Leistung ansprach? Namen seien verschwiegen, „denn die im Dunkeln sieht man nicht“, denn vollen Aufschluss gibt dem lechzenden Interessierten ja schon die bedauerlich ehrliche Tabelle.

Den Blick darauf scheuen müssen die Ersten naturgemäß nicht! Stefan Markgraf (DWZ 2017) machte ohne jede Verlustpartie und bei lediglich zweien, mit lässiger Hand eingestreuten Remisen das Rennen. Er siegte mit 6,0 Punkten, mit gleicher Punktezahl dicht gefolgt von dem charmanten und bewundernswert unverwüstlichen FM Massoud Sawadkuhi (2157), der eben nur die etwas schlechteren „Buchhölzer“ aufwies. Das ist etwas, was man erst recht bei einem so kurzen Turnier einfach nicht in der Hand hat.

Jan Wöllermann (1924) gewann die virtuelle Bronzemedaille, mit 5,5 Punkten gleichauf mit Christian Frank, der mit seiner relativ geringen DWZ von 1885 einen großartigen Erfolg errungen hat. Aber auch Fredrik Polenz (1814) spielte mit 5,0 Punkten, gleichauf mit dem Achten, gewiss „über seinen Verhältnissen“ und kann mit dem Turnier sehr zufrieden sein, was auch für Stefan Zucker (1747) auf dem 15. Platz gilt, der sehr viele Spieler mit weit höherem Rating hinter sich ließ.

Der 1995 geborene Lukas Heyne (1807) spielte lange Zeit ganz vorne im Feld und ließ erst gegen Ende ein wenig nach; die erzielten 4,0 Punkte bieten dennoch Anlass zu großen Hoffnungen.

Beste Dame auf dem 39. Platz wurde mit 4,5 Punkten Germaine Kickert (1807), nur einen halben Buchholz-Punkt vor Laura Günnigmann. Insgesamt waren rund 11% der Teilnehmer, nämlich 19 Spielerinnen, weiblichen Geschlechts, was immer noch zu wenig ist, aber doch einen erfreulichen Trend erkennen lässt. Jüngster Teilnehmer war der 2001 geborene Paul Laubrock (855), knapp gefolgt von der 2000 geborenen Hannah Möller; im Vergleich dazu muss zum Beispiel die 1998 geborene Jana Böhm (1069) ja schon geradezu als ältere Dame gelten …

Ralf Mulde, Vizepräsident des Landesschachbundes Bremen

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