Niedersächsischer
Schachverband
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Trainingslager (19.-21.12.) trotz(t) Terminen
Samstag, 27. Dezember 2008 von Michael Gründer

Weihnachtszeit hält Kader nicht vom Trainieren ab

von Timo Holloway

Silvester steht vor der Tür. Und was wäre Silvester ohne den guten Vorsatz, die Landeseinzelmeisterschaften in Verden mitzuspielen? Wahrscheinlich wie ein Kadertraining ohne Anstrengung, Spaß und „Schach pur“. Wieder einmal wurden wir nicht enttäuscht.

Der Trainer war niemand geringeres als GM Wladimir Baklan, der 2001 mit der Ukraine Mannschaftsweltmeister wurde, wie ich bei der Recherche über die richtige Schreibweise seines Namens feststellte.

Die erste Aufgabe des Trainings hatte jedoch keineswegs, zumindest nicht unmittelbar, mit Schach zu tun. Sie lautete: „Finde den Großmeister!“ Nach der Beschreibung von Alex, laut seiner Erinnerung von 1999, machten wir uns daran, den Coach GM Baklan am Hundertwasserbahnhof Uelzen abzufangen. Als Belohnung für die erfolgreiche Bewältigung dieser Aufgabe stand dann sogleich das Abendessen auf dem Programm, zu dem alle nach und nach eintrudelten.

Anschließend analysierten wir zahlreiche Beispiele zur Prophylaxe. (Was plant mein Gegner, was würde er ziehen, wenn er dran wäre?)

Wir hatten 2 neue Gesichter in unseren (zwei) Reihen:
Jürgen Schwetje und Semjon Seemann, die auch den Körpergrößen-Durchschnitt des Kaders erheblich in die Höhe trieben.

Waren GM Baklan anfangs noch Probleme mit der deutschen Sprache sowie eine gewisse Unsicherheit gegenüber uns (sehen wir denn so gefährlich aus?) anzumerken, so wurde das Training mit jeder Minute besser! Die Sprachbarriere überbrücken zu müssen, tat dem Inhalt des Trainings keinen Abbruch – die exzellenten Beispiele sprachen für sich.

Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, ging es um das Läuferpaar sowie darum, es wirken zu lassen. Der Höhepunkt war der sodann anstehende Aufgaben-Wettbewerb.

Eine Stellung ließ Gänsehaut-Feeling aufkommen: Wir schlüpften in die Rolle Baklans während seiner Partie gegen Viktor Kortschnoi und sollten einen gewinnbringenden Zug von Wladimir, der die schwarzen Steine führte, finden.

Wolga-Gambit, halb geöffnete A und B-Linie, 2  bärenstarke Läufer, das musste einfach gut sein. Verschiedenste Ideen, …Ld3, …e6, oder gar …Sxd5. Wir hatten praktisch die Chance, gegen den 6-fachen Olympiasieger Viktor Kortschnoi zu gewinnen, eine Legende zu besiegen….- wir scheiterten kläglich. Der Test hatte es wirklich in sich und die jeweils von GM Baklan angekündigten 5, 10 oder 15 Minuten vergingen schneller als wir es uns gewünscht hätten!

Immerhin schafften es Fabian (24 Punkte), Alex und Stefan
(jeweils 23), über 50 % zu erreichen. Ob auch die Landesmeisterschaften 2009 in dieser Reihenfolge enden werden?

Trotz des wirklich guten Ergebnisses wurde Fabian nicht zur Dopingkontrolle gebeten – noch nicht.

In den kurzen Pausen, die nur rar sich zeigten, kamen einige Spieler auf die geniale Idee, weiterzuanalysieren (!!) oder zu Blitzen. Andere machten sich an dem vom Hotel bereitgestellten  leckeren „Lebkuchenbuffet“ zu schaffen.

Insbesondere die Analysefähigkeiten des Großmeisters haben uns beeindruckt. Seine Professionalität bemerkten wir auch, als er uns von gemeinsamen Analysen mit Ruslan Ponomarjow  (übrigens Fide-Weltmeister von 2002, wie ich, wieder einmal, beim Nachschauen der richtigen Schreibweise des Namens entdeckte…J ) berichtete oder eine Eröffnungs-Neuerung zeigte, die er ganze drei Jahre geheim hielt, um sie dann mit Pauken und Trompeten gewinnbringend einzusetzen.

Am sehr späten Abend, nach etwas Sport und einigen Blitzpartien, staunten Semjon und ich nicht schlecht, als wir zum Hotel zurückkamen: Musik. Lärm. Bass. Nebel. Diskolicht. Hier, direkt im Untergeschoss des Hotels. „Waren wir wirklich beim Schach? Schliefen wir schon, und alles war ein Traum?“ Licht ins Dunkel brachten die „Mega-Abi-Party“-Plakate, die wir am nächsten morgen entdeckten. Obwohl niemand von uns auf die ohrenbetäubende Fete wollte, waren wir letztendlich mittendrin. Folglich hielt sich unsere Schlafdauer in Grenzen und insbesondere deshalb verlangte der letzte Trainingstag noch einmal uns alles ab: Bevor uns GM Baklan noch einige Partien zeigte, die zum Thema Initiative gewählt waren und dementsprechend wie aus einem Guss gespielt wurden, mussten wir eine Blindschachübung am Computer absolvieren:
Es ging darum, auf leerem Brett 50 Züge lang den Weg von 4 Figuren sowie ihre Zugmöglichkeiten vor Augen zu haben und geforderte Felder anzuklicken. Und, nein, wir hatten nicht beliebig viel Zeit. Im Prinzip sehr interessant, doch wir verloren viele Zähne, die wir uns an dieser anstrengenden Trainingsform ausbissen. Iwantschuk  löste die Aufgabe übrigens mit 8 Figuren. Und als sei diese Zusatzinformation nicht schon frustrierend genug, wurde auch noch die individuelle ELO dieser Übung berechnet – zum Schock eines Jeden.

Beim abschließenden Mittagessen stellte sich heraus, dass einige ehrgeizige Spieler tatsächlich erst zum Open nach Travemünde fahren und danach, spitzenmäßig vorbereitet, bei der LEM antreten werden. Wohlgemerkt liegt zwischen diesen beiden Events praktisch nur Silvester. Echte Profis eben.


Beispielstellung aus der Partie Baklan-Kopylow, 1998:

(Position nach 7. …d6)

Wie kann Weiß energisch fortsetzen und die Initiative übernehmen?

8.   Lb5+! (besser als das ruhigere 8.c4) 8. … Sbd7 9. dxe6  fxe6 10. e5! Lxf3 (10. … dxe5  11. Sxe5 Lxg2?  12. Tg1 Lb7 13. Sxd7 +-)


11. Dxf3 dxe5 12. Sd2 (auf 12. Dh3?! kann Schwarz mit 12. … Kf7! reagieren.) 12.  … Le7

Und nun? Wie geht es weiter?

13. La6! Dd8 14. Dc6 Kf7 (Vielleicht war 14. … 0-0  15. Dxe6+  Kh8  oder 14. … Sd5, mit der Idee 15. … Sc7, vorzuziehen. Weiß steht aber besser.) 15. Lc4 Sf8 16. Sf3 Weiß hat sehr starken Angriff auf den weißen Feldern. Er gewann nach 33 Zügen!

Timo

Zum Download als PGN oder CBV.

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